WAHLEN: Eine Partnerschaft ohne Liebe

Die linken Parteien im Kanton Luzern kooperieren mit der GLP. Diese Zweckehe soll einen dritten Sitz der SVP im Nationalrat verhindern. Pikant: Die SP greift offen den GLP-Sitz an.

Matthias Stadler
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«Eine Listenverbindung ist für uns keine Hochzeit», Laura Kopp, Präsidentin GLP Luzern. (Bild: Archiv Neue LZ)

«Eine Listenverbindung ist für uns keine Hochzeit», Laura Kopp, Präsidentin GLP Luzern. (Bild: Archiv Neue LZ)

Überraschungen blieben am Dienstagabend aus. Sowohl die Delegierten der FDP wie auch diejenigen der Sozialdemokraten und der Grünen sagten Ja zu ihren jeweiligen Listenverbindungen (Ausgabe von gestern). Die FDP spannt mit der CVP, EVP und BDP zusammen, die Sozialdemokraten mit den Grünen und den Grünliberalen. Laut der SP soll durch diese Listenverbindung mit den Grünen und der GLP ein Sitzgewinn der SVP verhindert werden.

Aber nicht nur. Die SP gab sich an ihrer Versammlung kämpferisch: «Wenn alles gut geht, geht der dritte Sitz dank dieser Verbindung sogar an die SP», sagte Parteipräsident David Roth. Er sprach damit den von den Grünliberalen gehaltenen Nationalratssitz an. Momentan haben die Grünen, die SP und die GLP je einen Nationalratssitz inne. Die CVP hält drei Sitze, die FDP und die SVP je zwei.

«Keine Mitleidsstimme an GLP»

Ziel sei es «einen dritten linken Sitz zu gewinnen», wie es in einem Communiqué der SP heisst. Die SP zählt die GLP, wie mehrfach betont, nicht zu den linken Parteien. Das stellt somit einen frontalen Angriff auf den von GLP-Nationalrat Roland Fischer besetzten Sitz dar. David Roth gab an der Delegiertenversammlung der SP denn auch den Tarif durch: «Kein linker Wähler muss eine Mitleidsstimme an die GLP verteilen, um den dritten SVP-Sitz zu verhindern.» Die SP will also zwei Fliegen mit einer Klatsche schlagen. Roth: «Wir sehen durchaus Chancen, dass wir einen zweiten SP-Sitz auf Kosten der GLP erkämpfen können.»

Dass somit gerade der Listenpartner angegriffen wird, ist für Roth kein Problem. Er bekräftigt, dass die Grünliberalen von den Absichten der Sozialdemokraten wüssten und auch offen mit ihnen darüber diskutiert worden sei. «Es ist sowohl für uns wie auch für die GLP klar, dass jede Partei auch für ihre Interessen kämpft.» Zentral sei aber auch, dass nur mit der gemeinsamen Listenverbindung der SVP-Sitzgewinn verhindert werden könne.

Entscheid für «die grösste Chance»

Bei den angegriffenen Grünliberalen gibt man sich pragmatisch: «Es ist das gute Recht der SP, unseren Sitz anzuvisieren», sagt Laura Kopp. «Wir haben uns aber trotzdem für eine Listenverbindung mit der SP entschieden, weil dies die beste Variante ist, unseren Sitz zu retten.» Eine Listenverbindung mit den grossen Mitteparteien CVP und FDP würde laut Kopp zu einem Sitzverlust der GLP führen. «Also haben wir die für uns grösste Chance gewählt.» Kopp sagt zudem, dass die «Aussicht darauf, unseren Nationalratssitz zu halten, wichtiger für uns ist als die inhaltlichen Differenzen zwischen GLP, SP und Grünen. Eine Listenverbindung ist für uns keine Hochzeit.»

Das sehen auch die Grünen so. Co-Präsidentin Katharina Meile sagt: «Es ist eine Listenverbindung für diesen Herbst und keine Zusammenarbeit für danach.» Bei den Grünen gab es laut Meile zwei Gründe für eine Listenverbindung mit den Grünliberalen. «Die GLP steht uns etwas näher als andere bürgerliche Parteien. Zudem wollen wir verhindern, dass es einen Rechtsruck gibt.» Denn nur so könne beispielsweise der Energiewende zum Durchbruch verholfen werden. Da seien sich die Grünen und die GLP einig.