SOMMER: Wespen sind aktiver als sonst

In der Region wird es wieder über 30 Grad heiss. Dazu gesellen sich die gelbschwarzen Plagegeister. Ex- perten geben Tipps, wie man sich gegen Wespen schützt.

Christian Hodel und Sarah Weissmann
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Fleissig wie Bienen: Der warme Sommer beflügelt die Wespen – ihre Nester sind bereits grösser als sonst um diese Jahreszeit. (Bild: Getty)

Fleissig wie Bienen: Der warme Sommer beflügelt die Wespen – ihre Nester sind bereits grösser als sonst um diese Jahreszeit. (Bild: Getty)

Christian Hodel und Sarah Weissmann

Die langen Hosen können zurück in den Schrank. Ab Ende Woche wird es wieder richtig heiss in der Zentralschweiz. Temperaturen um die 35 Grad prognostiziert Meteo Schweiz etwa für Luzern am Freitag.

Hält die Hitze und Trockenheit an, wird es brenzlig für die Bauern. Bereits die anhaltende Trockenheit im Juli hat sie arg in Bedrängnis gebracht, wie die Forschungsanstalt Agroscope jüngst mitteilte. Von noch unbezifferbaren Ernteverlusten und Futtermangel wird ausgegangen. Da es «sehr hochsommerlich» weitergehe, bleibe das derzeitige Feuerverbot bestehen, sagt Silvio Covi, Fachbereich Schutzwald der Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern. Im Kanton habe es bereits vereinzelt kleinere Brände in Wäldern oder auf Wiesen gegeben. Grössere Schäden gab es am vergangenen Donnerstag in Uffikon, wo eine Wiese in Brand geriet. Derzeit ist es in den Zentralschweizer Kantonen weiter untersagt, im Wald und in Waldesnähe zu grillieren.

Mehr Patienten auf Intensivstation

Ein weiteres Problem sind stechende Plagegeister – die Wespen. Im Luzerner Kantonsspital haben die Ärzte laut Gerhard Müllner, Co-Chefarzt Zentrum für Dermatologie und Allergologie, alle Hände voll zu tun. «Wir haben auf der Notfallstation deutlich mehr Patienten mit schweren Reaktionen nach einem Wespenstich. Viele der Patienten müssen wegen schwerer Atemnot oder Herz-Kreislauf-Problemen vorübergehend auf der Intensivstation betreut werden.»

Grund dafür ist, dass die Wespen wegen der warmen Temperaturen aktiver sind als sonst. Beat Wermelinger, Insektenspezialist bei der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), sagt: «Die Wespen fliegen mehr umher und haben somit auch einen deutlich höheren Energiebedarf als an kalten Sommertagen.» Zudem wuchsen die Völker gemäss Gabriela Schenker, Umweltberaterin Öko-Forum Luzern, in diesem Jahr schneller und seien daher grösser als in anderen Jahren um dieselbe Zeit. «Wir erhalten pro Tag etwa 3 bis 10 Anfragen betreffend Wespennestern. Das sind zwar nicht mehr, aber wir erhielten diese in diesem Jahr deutlich früher.» Normalerweise würde die Zeit der störenden Wespennester erst Ende Juli starten, dieses Jahr ist es laut Schenker bereits Anfang Juli losgegangen.

Späherin unschädlich machen

Nervig sind die Wespen vor allem während des Essens im Freien. Der verführerische Geruch, etwa von einer Grillade, zieht in der Regel zuerst einzelne Wespen an. Dabei handle es sich um die sogenannten Späherinnen, die ihre Artgenossen gezielt zu den besten Nahrungsquellen führen. «Die Späherin zu verscheuchen bringt nicht viel, denn sie wird mit hoher Wahrscheinlichkeit wiederkommen und weitere Wespen mitbringen», sagt Schenker. Besser sei es, die Wespe mit einem Glas einzufangen und sie während des Essens an einem schattigen Platz gefangen zu halten. «Danach kann man sie wieder frei lassen.» Die gleiche Wirkung wird erzielt, wenn man die Späherin kurzerhand erschlägt.

Tipps gegen Wespen

Um die Wespen loszuwerden, empfehlen Schenker und Müllner folgendes:

  • Wespen auf keinen Fall wegpusten, das Kohlendioxid im Atem macht sie panisch.
  • Ablenkfütterung: Futterquellefünf Minuten vor dem Auftischen einige Meter vom Tisch entfernt aufstellen.
  • Lavendelduft mögen Wespen nicht.
  • In einer feuerfesten Schale Kaffeepulver anzünden.
  • Aus Dosen nur mit dem Röhrli trinken.
  • Parfümierte Pflegeprodukte vermeiden.
  • Wespen mit Wasser besprühen – sie glauben es regne und ziehen sich zurück.
  • Nahrungsmittel im Freien abdecken und Essensreste gut verschliessen.
  • Schweiss und ein schneller Atem, etwa beim Joggen, ziehen Wespen an.
  • Im Freien nicht barfuss gehen.

Stich im Mund: Zum Arzt

Wird man trotzdem gestochen, muss man vor allem bei einem Stich im Mund den Arzt aufsuchen. «Hier spielt es keine Rolle ob man Allergiker ist oder nicht», betont Co-Chefarzt Müllner. All jene, die allergisch reagieren, also nach einem Wespenstich mit Beschwerden wie Atemnot, Hautausschlag, Schwindel oder Kreislaufproblemen reagieren, müssen den Arzt aufsuchen. Wichtig sei zudem, sich in diesem Fall vom Allergologen abklären zu lassen. Denn Allergiker würden mit einem Notfallset ausgestattet, das sie immer auf sich tragen müssen. Bei schweren allergischen Reaktionen empfiehlt Müllner eine Desensibilisierung.

Müllner sagt jedoch, dass die Mehrheit der Menschen einen Wespenstich gut verträgt. «Bei einer lokalen Schwellung empfehle ich, den Stich gut zu kühlen und zum Beispiel mit einem kühlenden Gel zu behandeln. Wird die Schwellung sehr stark, gibt es noch die Möglichkeit, diesen mit einer Kortisonsalbe zu behandeln und ein Antihistaminikum einzunehmen.»

Gefahr: Viel Wasser, wenig Salz

gus. Gerade Sportler und ältere Menschen müssen sich vor der Hitze in Acht nehmen. Dabei gilt es nicht nur, viel zu trinken. Auch den Salzverlust, bedingt durch das Schwitzen, gilt es zu kompensieren. Ansonsten droht im Extremfall eine sogenannte Hyponatriämie, im Volksmund auch Wasservergiftung genannt. Dies musste auch Fiona S. während der letzten Hitzewelle schmerzlich erfahren. Die Studentin, die nicht mit vollem Namen in der Zeitung erscheinen möchte, nahm Anfang Juli am Luzerner Fussball-Grümpelturnier «Kick ’n’ Rush» teil. Es war ein Hitzetag mit Temperaturen weit über 30 Grad. «Eigentlich war es zu heiss, um Fussball zu spielen, deshalb habe ich bereits am Morgen darauf geachtet, viel Wasser zu trinken», sagt S. gegenüber unserer Zeitung.

Als sie im Verlauf des Tages Kopfschmerzen plagten, dachte sie an einen Sonnenstich. «Deshalb habe ich noch mehr Hahnenwasser getrunken.» Die Kopfschmerzen wurden schlimmer, S. ging gegen Abend nach Hause, wo sie weiter fleissig Wasser trank. «Ich habe wohl sechs bis sieben Liter Hahnenwasser getrunken», schätzt sie.

Epileptischer Anfall und Koma

Doch es folgte keine Besserung, noch schlimmer: Sie musste erbrechen. Danach erlitt sie gar einen epileptischen Anfall. Kolleginnen und ihr Freund riefen die Ambulanz, welche S. ins Kantonsspital brachte. Dort stellten die Ärzte relativ rasch fest, dass ihr Natriumspiegel im Blut sehr tief war, bedingt durch das viele Wassertrinken. Diese Gefahr droht, wenn Sportler das Schwitzen durch Wasser kompensieren wollen, während der Körper Salz verliert. Fiona S. wurde für eine Nacht ins künstliche Koma gesetzt. Weil sie danach auch noch eine Lungenentzündung erlitt, verbrachte sie vier Tage im Spital.

S. hat sich inzwischen erholt. Der plötzliche Kontrollverlust über ihre Körperfunktionen habe sie aber erschreckt. «Und wäre da niemand gewesen, der die Ambulanz gerufen hätte, hätte es auch schlimmer ausgehen können.»

In der Tat kann ein zu tiefer Natriumspiegel tödlich enden. So ist kürzlich ein 30-jähriger Brite beim Ironman in Frankfurt daran gestorben.

Im Alltag kaum möglich

Dass eine Hyponatriämie im Alltag auftritt, ist zwar möglich. Allerdings müsste ein jüngerer Mensch rund 10 Liter Wasser täglich trinken, und das über längere Zeit. Bei älteren Menschen sind es fünf Liter. Um einem Absenken des Natriumspiegels vorzubeugen, empfehlen Fachleute, isotonische Getränke Wasser vorzuziehen. Zudem sollte gerade vor Ausdauersport nicht zu viel Flüssigkeit aufgenommen werden. Auch danach sollte man nicht zu schnell zu viel trinken.