UMWELT: Die Reuss erhält neue Dämme und mehr Platz

Im Kanton Luzern soll der Hochwasserschutz entlang der Reuss verbessert werden. Der Regierungsrat hat ein Projekt für einen 13 Kilometer langen Flussabschnitt in die Vernehmlassung geschickt. Gerechnet wird mit Kosten von 167 Millionen Franken.

Drucken
Teilen
Die Reuss soll in den nächsten Jahren renaturiert werden. Im Bild: Hochwasser im Juni 2013 beim Wehr in Perlen. (Bild: Keystone)

Die Reuss soll in den nächsten Jahren renaturiert werden. Im Bild: Hochwasser im Juni 2013 beim Wehr in Perlen. (Bild: Keystone)

Der Hochwasserschutz und die Renaturierung der Reuss zählten zu den wichtigsten Projekten im Kanton Luzern in den nächsten zwanzig Jahren, sagte der Luzerner Regierungsrat Robert Küng an einer Medienkonferenz. Es handle sich um einen massiven landschaftlichen Eingriff ins Reusstal.

Der Ausbau sei nötig, weil die Schutzbauten aus dem 19. Jahrhundert den heutigen Anforderungen nicht mehr genügten, sagte der Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdirektor. Einem längeren Hochwasser würden die Dämme nicht mehr standhalten, sagte Küng. Die Regierung wolle das Risiko einer Überschwemmung des Reusstals mit Siedlungs- und Industriegebieten nicht eingehen.

Neue Dämme, Inseln und Wege

Das Projekt sieht vor, dass im oberen Teil des Abschnittes ab dem Reusszopf bei Emmenbrücke die Dämme neu aufgebaut, erhöht und verstärkt werden. Ab dem Schiltwald soll der Fluss mehr Platz erhalten und breiter werden. Dies biete neben mehr Kapazität auch die Möglichkeit, die Landschaft ökologisch aufzuwerten.

Hochwasserschutzdamm in Emmen. (Bild: PD)
15 Bilder
Hochwasserschutz Reuss: Das ist geplant. (Bild: Grafik: Neue LZ)
Flachufer: attraktive Ufergestaltung – ein Mehrwert für Mensch und Natur. (Bild: PD)
Im Gebiet von Emmen werden Uferbuchten zur Verbesserung der Lebensbedingungen für die Fische angelegt. (Bild: PD)
Schiltwald (Bild: PD)
Auf der ganzen Strecke laden neue Teiche zum Verweilen ein. (Bild: PD)
Perler Schachen. (Bild: PD)
Studeschachen. (Bild: PD)
Ein Wurzelstock dient als Unterschlupf für Fische. (Bild: PD)
Honauer Schachen. (Bild: PD)
Luftaufnahme des Projektperimeters im Luzerner Reusstal. (Bild: PD)
Zuschauer stehen am 1. Juni 2013 in Perlen am Wehr und blicken auf die hochwasserführende Reuss. (Bild: Keystone)
Hochwasser 2005: Die Reuss überschwemmt viel Kulturland, links im Bild die Kantonsstrasse Buchrain - Inwil. (Bild: Schweizer Luftwaffe)
Die Reuss (rechts) setzt das Schilliger Sägewerk AG unter Wasser.
Hochwasser der Reuss und Treibholz bedrängen das Wehr bei Perlen im August 2005. (Bild: Keystone)

Hochwasserschutzdamm in Emmen. (Bild: PD)

Im Fluss sollen Inseln und flache Uferzonen entstehen. Die Reuss soll für Menschen und Tiere leichter zugänglich werden. Im Gewässerraum entstehen neue Wege für Fussgänger, Radfahrer und Reiter.

Für die Renaturierung werden 56 Hektaren oder 0,56 Quadratkilometer zusätzliches Land benötigt. Insgesamt sind gegen 400 Eigentümer und Bewirtschafter von Waldgebieten und Landwirtschaftsflächen betroffen. Ihnen will der Kanton Luzern Land abkaufen und wo möglich Ersatzland anbieten.

Enteignung möglich

Mit den Eigentümern seien bereits Gespräche geführt worden, sagte Albin Schmidhauser, Abteilungsleiter Naturgefahren beim Kanton Luzern. Das Projekt sei aufgrund der Anliegen bereits angepasst worden. Im schlimmsten Fall sehe das Gesetz auch Enteignungen vor, sagte Schmidhauser.

Die Kosten für das Vorhaben werden auf 167 Millionen Franken geschätzt. Nach Angaben der Luzerner Regierung kommt der Bund für bis zu 80 Prozent der Kosten auf. Die genaue Beteiligung steht noch nicht fest. Die restlichen rund 33 Millionen Franken müssten der Kanton und die Gemeinden zahlen.

Elf Jahre Bauzeit

Bei einer Bauzeit von elf Jahren würde die öffentliche Hand im Kanton Luzern mit rund drei Millionen Franken pro Jahr belastet. Dies sei finanziell verkraftbar, sagte Regierungsrat Robert Küng.

Die Vernehmlassung dauert bis am 31. März 2015. Danach beginnt das mehrjährige Bewilligungsverfahren. Mit einer Realisierung rechnen die Behörden Anfang der 2020-er Jahre.

Bei der Projektierung wurden verschiedene Interessen berücksichtigt. In einer Begleitgruppe sind dutzende Verbände, Gewerbebetriebe und staatliche Stellen vertreten. Involviert sind neben dem Kanton Luzern und neuen Gemeinden auch die Kantone Aargau, Zug und Zürich.

Folge von Hochwasser von 2005

Das nun in die Vernehmlassung geschickte Projekt "Hochwasserschutz und Renaturierung Reuss" ist eine Folge des Hochwassers von 2005. Damals habe sich gezeigt, dass die Abflusskapazität der Flüsse zu gering war. Ausserdem müsse man damit rechnen, dass die alten Dämme bei Hochwasser nach rund zwölf Stunden brechen würden, sagte Naturgefahren-Spezialist Albin Schmidhauser.

Bei den Überschwemmungen 2005 kamen im Kanton Luzern zwei Feuerwehrleute ums Leben und es entstanden Schäden von einer halben Milliarde Franken. Ein Hochwasser im Reusstal würde Schäden an öffentlichen Bauten von über 275 Millionen Franken anrichten, erklärten die Projektverantwortlichen.

Neue Philosophie

Mit dem Projekt "Hochwasserschutz und Renaturierung Reuss" leben die Luzerner einer neuen Philosophie des Bundes nach. Bis spät ins 20. Jahrhundert wurden Gewässer mit hohen Dämmen eng kanalisiert. Dies führte aber unter anderem zu Rückstaus in Zuflüssen und Verschmutzungen im Grundwasser.

Mit dem neuen Projekt soll der Flusslauf verbreitert und so der Wasserspiegel gesenkt und das Risiko für Hochwasser minimiert werden. Im Vordergrund steht der hohe Schutz von Siedlungen und wichtigen Bauten, Wald und Wiesland hingegen werden stellenweise der Überflutung überlassen.

Bevölkerung wird informiert

Die Dienststelle Verkehr und Infrastruktur (vif) informiert die Bevölkerung der betroffenen Gemeinden in den nächsten Tagen an öffentlichen Veranstaltungen.

Gemeinden: Gisikon, Honau
Datum: Montag, 23.02.2015, 19.30 Uhr
Ort: Zentrum Mühlehof 12, Mühlehofsaal, Gisikon

Gemeinden: Eschenbach, Inwil
Datum: Dienstag, 24.02.2015, 19.30 Uhr
Ort: Zentrum Möösli, Inwil

Gemeinden: Emmen, Luzern, Ebikon
Datum: Montag, 02.03.2015, 19.30 Uhr
Ort: Pfarreiheim Emmen Dorf

Gemeinden: Root, Buchrain
Datum: Mittwoch, 04.03.2015, 19.30 Uhr
Ort: Aula Schulanlage Hinterleisibach, Buchrain

sda