ASYLWESEN: Mit diesem Benimm-Flyer sexuelle Übergriffe verhindern

Der Kanton Luzern hat am Mittwoch einen Benimm-Flyer für Asylsuchende vorgestellt. Der Flyer enthält neben allgemeinen Hinweisen zu Verhaltensgrundregeln auch ein Piktogramm, welches sexuelle Übergriffe wie die in Köln an der Fasnacht verhindern soll. Vorerst gibts das Faltblatt nur auf Deutsch.

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Dieser Flyer soll Asylsuchenden den richtigen Weg zu Verhaltensweisen aufzeigen. (Bild: Keystone)

Dieser Flyer soll Asylsuchenden den richtigen Weg zu Verhaltensweisen aufzeigen. (Bild: Keystone)

Es wurde unter anderem über das Thema Körperkontakt gesprochen. (Bild: URS FLUEELER)
20 Bilder
Wer mit dem ÖV fährt, soll sich nicht einfach hinsetzen, sondern vorher fragen. (Bild: Screenshot Flyer Kanton Luzern)
Bewohner des Asylzentrums Hirschpark in Luzern werden in einem Kurs ueber die "Grundregeln fuer das Zusammenleben" in der Schweiz informiert, anlaesslich eines Medienanlasses im Asylzentrum Hirschpark am Mittwoch, 27. Januar 2016. (KEYSTONE/Urs Flueeler) (Bild: URS FLUEELER)
Der neue Flyer wird in diesen Tagen in allen kantonalen Asylzentren verteilt. (Bild: URS FLUEELER)
Ein Blick in den Medienraum, wo der Flyer am Mittwoch vorgestellt wurde. (Bild: URS FLUEELER)
Körperkontakt darf nur mit beiderseitigem Einverständnis erfolgen. (Bild: Screenshot Flyer Kanton Luzern)
In der Schweiz darf jeder seinen Partner frei wählen. (Bild: Screenshot Flyer Kanton Luzern)
Wenn es draussen heiss ist, dann tragen die Schweizer leichtere Kleidung – das ist normal und keine Einladung für Körperkontakt. (Bild: Screenshot Flyer Kanton Luzern)
So begrüsst und verabschiedet man sich in der Schweiz. (Bild: Screenshot Flyer Kanton Luzern)
Jeder darf seine Meinung frei äussern. Und ein «Nein, danke» ist zu akzeptieren und zu tolerieren. (Bild: Screenshot Flyer Kanton Luzern)
Die Privatsphäre jedes einzelnen ist zu respektieren. (Bild: Screenshot Flyer Kanton Luzern)
Gewalt gegen Kinder ist strengstens untersagt. (Bild: Screenshot Flyer Kanton Luzern)
Frauen dürfen Frauen und Männer dürfen auch Männer lieben. (Bild: Screenshot Flyer Kanton Luzern)
In der Schweiz haben Frauen und Männer die gleichen Rechte. (Bild: Screenshot Flyer Kanton Luzern)
Es muss akzeptiert werden, wenn jemand in Ruhe gelassen werden will. (Bild: Screenshot Flyer Kanton Luzern)
Ein Ausschnitt aus dem Flyer. (Bild: Screenshot Flyer Kanton Luzern)
Ein Ausschnitt aus dem Flyer. (Bild: Screenshot Flyer Kanton Luzern)
Bild: URS FLUEELER
Bewohner des Asylzentrums Hirschpark in Luzern werden in einem Kurs über die "Grundregeln für das Zusammenleben" in der Schweiz informiert. (Bild: URS FLUEELER)
Bild: URS FLUEELER

Es wurde unter anderem über das Thema Körperkontakt gesprochen. (Bild: URS FLUEELER)


 

Der Kanton Luzern will mit einem Benimm-Flyer sexuelle Übergriffe wie die in der Kölner Silvesternacht verhindern. (wir berichteten) Das vom Luzerner Gesundheits- und Sozialdepartement erarbeitete Faltblatt wurde am Mittwoch im Asylzentrum Hirschpark in der Stadt Luzern den Medien vorgestellt. (siehe Dokument am Artikelende). Der Flyer enthält 20 Piktogramme mit kurzen Begleittexten zu Grundregeln für das Zusammenleben in der Schweiz.

Grundregeln des Zusammenlebens

Die Asylsuchenden sollen nun mithilfe des Flyers und Schulungen lernen, wie man sich in der Schweiz zu verhalten hat. Vor allem männliche Flüchtlinge und Asylbewerber in den Unterkünften sollen informiert werden, wie mit Frauen umgegangen werden soll, was erlaubt sei und was nicht.

Eine Verhaltensregel ist etwa folgende: «Körperkontakt findet nur zwischen Personen statt, die sich kennen, und es müssen beide einverstanden sein. Sexuelle Gewalt ist verboten. Dazu gehören auch unerwünschte Berührungen. Auch sexuelle Handlungen von Erwachsenen mit Kindern unter 16 Jahren sind strafbar.» Eine weitere Regel widmet sich der Partnerwahl: «Jede Person – ob Frau oder Mann – wählt selbst, ob und wen sie heiratet. Niemand darf gegen seinen Willen verheiratet werden. Frauen und Männer können auch zusammenleben, wenn sie nicht verheiratet sind.» Bei Migranten stiess der Flyer auf positives Echo.

Flyer vorerst nur auf Deutsch

In dem Flyer wird unter anderem verdeutlicht, dass sexuelle Gewalt nicht toleriert werde. Die Flyer werden in diesen Tagen in den kantonalen Asylzentren verteilt. Dort kommen sie künftig - auch nach der Fasnacht - bei den Erstgesprächen mit Asylsuchenden, denen auch Dolmetscher beiwohnen, zum Einsatz, wie Silvia Bolliger, Sprecherin des Gesundheits- und Sozialdepartements, an der Veranstaltung erklärte.

Vorerst werde der Flyer nur auf Deutsch erscheinen, wie es beim Kanton auf Anfrage von Luzernerzeitung.ch heisst. «In einem nächsten Schritt wird zusammen mit den Zentrumsleitungen entschieden, in welche weiteren Sprachen der Flyer übersetzt werden soll», heisst es weiter. In einer ersten Auflage wurden über 4000 Stück gedruckt. Als Vorlage für die Faltblätter dienten ähnliche Broschüren in Deutschland und Österreich.

Gegen Pauschalurteile

Die gewalttätigen Übergriffe in Deutschland und die Berichterstattung darüber hätten auch unter den Bewohnern des Asylzentrums Hirschpark in Luzern zu Diskussionen geführt, sagte Zentrumsleiterin Martina Gerber. Viele Bewohner würden sich aber dagegen wehren, in den gleichen Topf geworfen zu werden wie jene Minderheit, die solche Übergriffe begehen würde.

Im Kanton Luzern wurden Migranten in Asylzentren bereits bisher in obligatorischen Kursen über Gesetze, Sitten und Gebräuche aufgeklärt. Auch der Bund informiert Asylsuchende in seinen Zentren über allgemeine Verhaltensregeln.

Nach den Übergriffen in deutschen Städten an Silvester gab der Luzerner Sozialdirektor Guido Graf (CVP) die Ausarbeitung von neuem Informationsmaterial für Asylsuchende in Auftrag. Hintergrund waren Rückmeldungen und Ängste von Luzerner Bürgern, wie seine Sprecherin erklärte.

Der Kanton nehme die Ängste in der Bevölkerung ernst, sagte die Sprecherin. Man habe darum die Asylsuchenden vor der Fasnacht nochmals speziell auf die allgemeinen Regeln hinweisen wollen. Die Behörden wollten ihr Möglichstes tun, um sexuelle Übergriffe zu vermeiden.

 

<strong>Mehr zum Thema in der &laquo;Neuen Luzerner Zeitung&raquo; vom 28. Januar 2016</strong>


nop/sda

Ein Flyer-Ausschnitt zum Thema Gleichberechtigung von Frauen und Männern. (Bild: Screenshot Flyer Kanton Luzern)

Ein Flyer-Ausschnitt zum Thema Gleichberechtigung von Frauen und Männern. (Bild: Screenshot Flyer Kanton Luzern)

Ein Flyer-Ausschnitt zum Thema Rechte der Kinder. (Bild: Screenshot Flyer Kanton Luzern)

Ein Flyer-Ausschnitt zum Thema Rechte der Kinder. (Bild: Screenshot Flyer Kanton Luzern)