STEINENSTRASSE: Anwohner sorgen sich um Luzerns bunteste Strasse

Gegen den Neubau der «Lion Lodge» sind zahlreiche Einsprachen eingegangen. Die Kritiker befürchten, dass das Bauprojekt ein vom Bund geschütztes Kleinod zerstört.

Stefan Dähler
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Die Steinenstrasse mit dem Wandbild im Hintergrund.

Die Steinenstrasse mit dem Wandbild im Hintergrund.

Die Jugendherberge Lion Lodge an der Zürichstrasse soll abgerissen und neu gebaut werden – und zwar mit deutlich grösserem Volumen. So soll das Haus ein zusätzliches Stockwerk erhalten. Die Pläne des Hotelbesitzers Ratan Ashrafuzaman sorgen für Diskussionen (Ausgabe vom 26. November). Viele Anwohner und auch der Quartierverein Hochwacht lehnen das Bauprojekt ab. Mitte letzter Woche lief die Einsprachefrist ab. Es seien mehrere eingegangen, sagt Markus Hofmann, Leiter Baugesuche Stadt Luzern, auf Anfrage. Zum Inhalt der Einsprachen, deren Urheber sowie Anzahl gibt Hofmann mit Verweis auf das laufende Verfahren keine Auskunft.

Viele Einsprecher sorgen sich um die schmucke Steinenstrasse, die parallel zur Zürichstrasse verläuft. Gemäss Monika Senn, die ein Haus an der Steinenstrasse besitzt, hätten mehrere Anwohner Einsprache eingereicht – auch sie selbst. «Die Häuser sind Liebhaberobjekte, die sich für Klein- und Kunstgewerbe und Wohnen eignen. Es sind keine Renditebauten», sagt Senn. Sie befürchtet, mit dem Neubau der «Lion Lodge» würde man weiteren Renditebauten Tür und Tor öffnen. Der «einzigartige Charakter der Steinenstrasse» könne verloren gehen, so Senn. «Durch das grössere Bauvolumen mit Raum für einen Hotelbetrieb mit 120 Betten ist Mehrverkehr zu erwarten, was die ganze Strasse betreffen würde.» Die Durchfahrt des bereits bestehenden Geschäftsverkehrs in dieser «engen Begegnungszone» würde behindert. Weiter werde die Sicht auf das Wandbild am Ende der Strasse versperrt. «Der Neubau fügt sich architektonisch nicht ins Gesamtbild der Strasse ein.» Schäden durch Hausschwamm, mit denen Ashrafuzaman die Notwendigkeit eines Neubaus gegenüber unserer Zeitung begründete, müssten nicht zwingend zu einem Abriss führen. «Andere Häuser sind auch betroffen, man kann diese sanieren», sagt Senn. Ashrafuzaman wollte nicht öffentlich Stellung nehmen.

Da sich das Gebäude in der Ortsbildschutzzone B befindet, sind bei der Stadt nun vertiefte Abklärungen nötig. In der Zone werden Abbrüche nur ausnahmsweise bewilligt, «wenn eine Sanierung aus statischen Gründen nicht möglich oder aus wirtschaftlichen Gründen unverhältnismässig wäre», heisst es in der Bau- und Zonenordnung. Zudem müsse der Neubau sich ins Ortsbild einfügen.

Weiter für Diskussionen sorgt, dass die Steinen­strasse im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder nationaler Bedeutung (Isos) eingetragen ist – mit dem Erhaltungsziel A, der höchsten Kategorie. Das heisst, dass es zu keinen Abrissen kommen sollte. «Dies gilt aber nur unmittelbar, wenn es sich beim Bauprojekt um eine Bundesaufgabe handelt», sagt Oliver Martin vom Bundesamt für Kultur. Bei der «Lion Lodge» ist die Eidgenossenschaft nicht involviert. «In diesem Fall gelten kommunale oder kantonale Regeln», sagt Martin – also die städtische Ortsbildschutzzone B. Möglich sei, dass Isos beim Baubewilligungsverfahren nochmals als Grundlage beigezogen werde. Theoretisch hat Isos aber keinen Einfluss auf das Verfahren. Wie sieht es in der Praxis aus? Grundsätzlich seien Neubauten in schützenswerten Ortsbildern mit Erhaltungsziel A nicht per se chancenlos, so Martin. Wie es im konkreten Fall aussieht, kann er nicht beurteilen.

Stefan Dähler
stefan.daehler@luzernerzeitung.ch