STADT LUZERN: C&A-Filiale muss Neubau weichen

Das Gebäude an der Kapellgasse 4 hat den Besitzer gewechselt. Die deutsche Holding plant, das derzeitige Kaufhaus durch einen Neubau zu ersetzen. Wer die neuen Räume beziehen wird, ist noch nicht bekannt – C&A ist es nicht.

Gabriela Jordan
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Das Kaufhaus mit der fast fensterlosen Fassade an der Kapellgasse. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 4. Januar 2017))

Das Kaufhaus mit der fast fensterlosen Fassade an der Kapellgasse. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 4. Januar 2017))

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

Das Ortsbild der Luzerner Altstadt verändert sich so gut wie nie, lassen die schützenswerten Bauten doch nur selten eine architektonische Veränderung zu. Nun kommt es in der Altstadt aber gleich zu zwei Umgestaltungen, wobei beide das Kleidergeschäft C&A betreffen: Das Kaufhaus an der Kapellgasse 4 soll bis auf die Grundmauern abgetragen werden und einem Ersatzneubau weichen. Dies plant die neue Grundeigentümerin, Newport Holding Luzern, die das Grundstück im April 2016 einer Erbengemeinschaft abgekauft hat.

Für das C&A-Gebäude an der Hertensteinstrasse 58 ist ein Umbau vorgesehen, wie ein jüngst bei der Stadt eingereichtes Baugesuch zeigt. Grundeigentümerin ist dort die Immobilienfirma Redevco mit Sitz in Zürich.

Neue Filiale in der Mall of Switzerland

Im Ersatzneubau an der Kapellgasse werden C&A-Kunden künftig allerdings nicht mehr auf ihre Kosten kommen. Dass das Kleidergeschäft nach den Bauarbeiten wieder einzieht, ist nämlich nicht vorgesehen: «Wir haben uns entschieden, den Standort an der Kapellgasse voraussichtlich 2018 zu schliessen», sagt Jessica Frei von C&A auf Anfrage. Denn 2017 sei die Eröffnung einer neuen Filiale in der Mall of Switzerland sowie der Umbau und die Einführung des neusten Store-Konzepts im Hauptgeschäft an der Hertensteinstrasse geplant. Bereits in den vergangenen zwei Jahren wurden laut Frey die Filialen im Emmen Center, im Zugerland sowie zuletzt im Pilatusmarkt in Kriens umgebaut und neu eröffnet. «Mit unseren weiterhin vier Standorten im Raum Luzern verfügen wir so über eine gute Marktabdeckung.»

Wer stattdessen in die neuen Räume an der Kapellgasse ziehen wird, ist im Moment noch unklar. Dass es sich wieder um ein Modegeschäft handelt, ist laut Daniel Stalder wahrscheinlich. Er ist Mitgründer des Planungsbüros Zeitraum Planungen AG, das für den Neubau eine Machbarkeitsstudie erstellt hat. Die Firma Newport investiere in gut etablierte Einzelhandelsstandorte, sagt Stalder. Im Gebäude sollen zudem Büro- und Wohnflächen untergebracht werden. Der Neubau wird im Rahmen eines Projektwettbewerbs entwickelt.

Doch wie kann ein Gebäude in der Altstadt überhaupt niedergerissen werden, wenn diese zu den Ortsbildern von nationaler Bedeutung zählt? Denn das aus dem Jahr 1962 stammende Gebäude an der Kapellgasse befindet sich in der Schutzzone A der Bau- und Zonenordnung der Stadt Luzern, in der grössere Veränderungen nicht zulässig sind. Dennoch bestehe ein Handlungsspielraum, «weil das Warenhaus mit den beinahe fensterlosen Fassaden an exponierter Eck­situation am Kapellplatz im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (Isos) als ‹störend› eingestuft wird», erklärt Stalder. Der Neubau soll in das bestehende Stadtbild integriert werden. Wie genau dieser aussehen wird, ist aber noch offen. Laut Stalder wurden sieben Architekturbüros aus Luzern, der gesamten Schweiz sowie aus Deutschland zum Projektwettbewerb eingeladen. Dieser wird durch die Zeitraum Planungen AG begleitet, die bereits die Machbarkeitsstudie erstellt hatte. Das Wettbewerbsverfahren wird zudem streng beaufsichtigt: Neben Vertretern der Stadt sitzen Architekten in der Jury, zum Bauprojekt wird ausserdem die Denkmalpflege Stellung nehmen. Der Wettbewerb wird im Sommer 2017 abgeschlossen sein, und ab 2018 soll der Ersatzneubau realisiert werden.

Bauarbeiten während der Sommerferien

Weder die Newport Swiss AG (Besitzerin Kapellgasse 4) noch die Firma Redevco (Hertensteinstrasse 58) waren bisher für eine Auskunft erreichbar, Details zum Umbau an der Hertensteinstrasse konnten deshalb nicht in Erfahrung gebracht werden. Bekannt ist derzeit, dass der Umbau in diesem Sommer während der Schulferien erfolgen soll. Die internationale Immobilienfirma Redevco hat ihren Hauptsitz in Amsterdam und ist in Europa tätig. Die Newport Holding hat den Hauptsitz in Hamburg und investiert vor allem in Deutschland, der Schweiz sowie in den USA.