ALPENQUAI: Die Mathematik-Welt vereint in Luzern

170 Mathe-Lehrer aus verschiedenen Ländern haben sich an der Kanti Luzern getroffen. Ihr Ziel: mit einem Wettbewerb das Interesse am eher unbeliebten Schulfach wecken.

Chiara Stäheli
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Wo sonst die Schüler der Kantonsschule Alpenquai Luzern sitzen, haben in den letzten vier Tagen rund 170 Mathematiklehrer aus aller Welt an einem gemeinsamen Projekt gearbeitet. Für den sogenannten Känguru-Wettbewerb wurden Aufgaben für Tests in vier Alterskategorien zusammengestellt. Diese werden im nächsten März von rund 6 Millionen Schülern in 70 Ländern gleichzeitig gelöst.

Das Treffen findet jährlich an einem anderen Ort statt. «Wir verfolgen mit dem Wettbewerb das Ziel, allen Schülern die Mathematik von einer anderen Seite zu zeigen», sagt Meike Akveld, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der ETH Zürich und Hauptorganisatorin des Anlasses. «Deshalb sind alle Aufgaben realitätsbezogen und erfordern mehr logisches als technisches Denken.»

Asien ist dem Westen voraus

Der Präsident der weltweiten Känguru-Organisation, Gregor Dolinar, betont, wie wichtig es sei, das Interesse an Zahlen bei jungen Leuten zu wecken: «Besonders in technischen und mathematischen Fächern fehlt es an engagierten, interessierten Leuten. Mit dem Känguru-Wettbewerb, der für alle geeignet ist, möchten wir aufzeigen, wie freudig Mathematik sein kann.» Er verweist weiter auf den Unterschied zwischen den Ländern: «Die östlichen Länder legen grossen Wert auf eine fundierte Mathematikausbildung. An der Mathematikolympiade, die ich ebenfalls mitorganisiere, landen jeweils Länder wie Korea, Vietnam und Singapur an der Spitze.» Das beste europäische Land, Grossbritannien, belegte an der letzten Olympiade den neunten Platz. Es gebe aber auch in Asien noch Verbesserungspotenzial, meint Hnin Set Aye aus Myanmar. Sie ist Schulleiterin und nimmt dieses Jahr zum ersten Mal am Kongress teil. «In Myanmar lernen die Schüler mathematische Regeln auswendig, anstatt sie nachzuvollziehen. Die Bevölkerung strebt nach guten Noten, nicht nach dem Verständnis der Materie», erklärt die engagierte Teilnehmerin, die zum ersten Mal in Europa weilt. Der Känguru-Wettbewerb animiere die Schüler, weiterzudenken und logische Schlüsse zu ziehen.

Besonders beeindruckt ist Hnin Set Aye auch von der Infrastruktur und den Einrichtungen in der Schweiz: «In Myanmar besuchen bis zu 70 Schüler eine Klasse. Elektrizität ist nur manchmal vorhanden, das ist hier in der Schweiz ganz anders.»

Auch Paulino Adao aus Mosambik ist in einer Projektgruppe an der Auswahl der Testaufgaben beschäftigt. Sein Land nimmt zum ersten Mal am Wettbewerb teil. «In Mosambik wird die Bildung noch zu wenig gefördert. Wir haben zu wenig Schulen, und dabei wäre es sehr wichtig, besonders die Mathematik­ausbildung zu stärken. Denn die meisten Erfindungen und Durchbrüche basieren auf mathematischen Überlegungen», meint Adao, der als Hochschullehrer arbeitet.

Auch eine Schifffahrt stand auf dem Programm

Der Känguru-Wettbewerb wird immer am dritten Donnerstag im März auf der ganzen Welt durchgeführt. Im Herbst zuvor findet jeweils das Auswahlverfahren für Aufgaben statt. Mit dem Kongress in Luzern ist Meike Akveld sehr zufrieden: «Die Teilnehmer haben sehr konzentriert an ihren Aufgaben gearbeitet. So konnten sie den Ausflug aufs Stanserhorn und die Schifffahrt umso mehr geniessen.»

Chiara Stäheli

chiara.staeheli@luzernerzeitung.ch

 

Hier finden Sie mehrere Känguru-Testaufgaben.