FLÜCHTLINGE: Kinder sprechen über Flüchtlinge und Krieg

Im Schulhaus Unterlöchli diskutierten Primarschüler über Menschenrechte, Flüchtlinge und Krieg. Die Kinder gehen mit dem Thema erstaunlich pragmatisch um, finden die Lehrerinnen.

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Die Lehrerinnen Faye Dittrich (links) und Kathrin Schraner im Schulhaus Unterlöchli mit Lehrmitteln zum Thema Menschenrechte. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 3. Mai 2017))

Die Lehrerinnen Faye Dittrich (links) und Kathrin Schraner im Schulhaus Unterlöchli mit Lehrmitteln zum Thema Menschenrechte. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 3. Mai 2017))

«Menschenrechte und Schule» ist das Schwerpunktthema des diesjährigen Internationalen Menschenrechtsforums, das noch bis heute in Luzern stattfindet. Präsentiert wurden dabei unter anderem die Ergebnisse eines Projekttags am Schulhaus Unterlöchli Luzern für Kinder vom Kindergartenalter bis zur 4. Klasse. «Die weltweite Flüchtlingsthematik hat uns persönlich sehr beschäftigt», erzählt Primar­lehrerin Faye Dittrich (27). Sie und ihre Kolleginnen Kathrin Schraner (31) und Melanie Amryhn (28) hätten sich überlegt, was sie beitragen könnten. Die Idee zum Projekttag war geboren.

Wie aber erklärt man Kindern die Themen Flucht und Asyl? «Wir haben viel recherchiert, haben verschiedene Institutionen angeschrieben. Das Menschenrechtsforum hat uns sehr unterstützt, sowohl beim Erarbeiten, wie auch beim Umsetzen des Projekttages», sagt Faye Dittrich. Wichtig sei gewesen, keine Meinungen zu vermitteln, sondern Wissen und Werte. Ein Jahr lang bereiteten die Pädagoginnen den Projekttag mit dem Menschenrechtsforum vor. «Letzten Sommer war es so weit», so Faye Ditt­rich. «Zuerst wurden die Eltern vorinformiert; von ihnen gab es keinerlei kritisches Feedback.»

Kinder diskutieren beim Znüni darüber

Am Projekttag selber wählten die Schüler verschiedene, dem Alter entsprechende Ateliers. Für jüngere Kinder besonders packend war ein Atelier, in dem eine ­Märli-Erzählerin Märchen über Flucht erzählte. «Die älteren Kinder waren vor allem von den Erzählungen einer Frau, die Asyl erhalten hat und von ihrer Flucht berichtete, beeindruckt», ergänzt Kathrin Schraner. «Ziel des Projekttages war, dass die Kinder sehen: Hier gibt es ein Problem. Und dass sie verstehen: Handlung ist nötig», erklärt Faye Ditt­rich. Schwierig sei vor allem gewesen, die Inhalte altersgerecht zu gestalten und die Kinder emotional oder inhaltlich nicht zu überfordern. Das scheint den Pädagoginnen gelungen zu sein. Faye Dittrich: «Die Kinder waren sehr interessiert und engagiert. Sie machen sich noch heute Gedanken, diskutieren beim Znüni darüber, haben eine Meinung.»

Am meisten beschäftigt habe die Kinder die Flucht an sich. «Sie fragen nach dem Grund. Wieso müssen die Menschen gehen? Wo schläft man unterwegs? Welche Schwierigkeiten gibt es auf der Reise?» Die Kinder seien sehr unvoreingenommen gewesen und hätten zum Teil zum ersten Mal entdeckt, dass es nicht überall so ist wie in der Schweiz. Kathrin Schraner: «Sie wollen wissen, ­warum es Krieg gibt. Mit der Erklärung können sie oft nicht viel anfangen, da diese Konflikte für sie nicht logisch sind. Kinder sind pragmatisch: Jemand braucht Hilfe, also helfen wir ihm oder ihr.»

Guetzli backen im Asylbewerberheim

Das Ziel der Lehrerinnen wurde wohl mehr als erreicht. Nach dem Projekttag organisierten sie am Sporttag noch einen Spendenlauf. «Auch hier war das Feedback der Eltern sehr gut, sie ­waren begeistert», freut sich ­Kathrin Schraner. «Obwohl das Mitmachen freiwillig war, waren alle dabei. Wir haben sehr interessierte und engagierte Eltern.»

Seit dem Projekttag gibt es Kontakte zum Asylbewerberheim Utenberg, die von verschiedenen Seiten aufrechterhalten werden. Da wurden etwa Guetzli gebacken. Oder Flüchtlinge kommen zu Besuch in die Klassen. Das Jahresthema der Schule ist in diesem Schuljahr «Herzlich willkommen». Faye Dittrich und Kathrin Schraner freuen sich, ihr Konzept anderen Schulen zugänglich zu machen und es am Menschenrechtsforum vorstellen zu dürfen: «Es wäre schön, wenn das auch andere Schulen organisieren würden. So können wir dem Menschenrechtsforum für die tolle Hilfe etwas zurückgeben.»

Natalie Ehrenzweig

stadt@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Infos zum Menschenrechtsforum: www.ihrf.phlu.ch

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