ZUG: Kantonsrat will kein Kruzifix im Obergericht

Im Saal des Zuger Obergerichtes wird kein Kreuz und auch kein Kruzifix aufgehängt. Der Zuger Kantonsrat hat am Donnerstag beschlossen, dem Obergericht keine entsprechende Empfehlung abzugeben.

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Das Kruzifix im Zuger Kantonsratssaal. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Das Kruzifix im Zuger Kantonsratssaal. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Verlangt hatte ein religiöses Symbol die SVP, die damit die gemeinsame, hiesige Kultur stärken wollte. Man müsse wissen, wo die Wurzeln seien, begründete SVP-Kantonsrat Philip Brunner das Postulat. Sein Parteikollege Manuel Brandenberg argumentierte mit gestalterischen Gründen. Der Saal des Obergerichtes sei zwar modern und funktional. «Aber der Raum ist sehr leer. Ihm fehlt sozusagen der Geist», sagte er. Ein Kreuz oder gar ein Kruzifix mit der Figur des gekreuzigten Jesus würde dem Raum guttun.

«Tendenziell eher abhängen»

Bei einer Mehrheit des Zuger Kantonsrats löste das Anliegen jedoch Stirnrunzeln aus. Nur ein Teil der CVP und einzelne FDP-Vertreter teilten das Anliegen. Alle anderen Kantonsrätinnen und Kantonsräte würden Kreuze «tendenziell eher abhängen statt aufhängen», wie sich eine Vertreterin der Fraktion Alternative/die Grünen ausdrückte.

Auch der Regierungsrat will in Verwaltungsgebäuden keine neuen Kreuze aufhängen - abhängen ist für ihn aber auch nicht zwingend. Seiner Ansicht nach können bestehende Kreuze und Kruzifixe bleiben.

Derzeit hängt im Kantonsratssaal ein grosses, hölzernes Kruzifix. Im Verwaltungsgericht wacht zudem ein Bronze-Jesus über das Geschehen. Sollte sich jemand an den Symbolen stören, können sie gemäss Angaben des Regierungsrats für die Zeit von Sitzungen «abgehängt oder verhüllt werden».

Nur noch 55 Prozent Katholiken im Kanton Zug

Eine Mehrheit des Kantonsrates folgte der Ansicht der Regierung und wählte damit einen pragmatischen Umgang mit religiösen Symbolen. Bisherige Kreuze können bleiben, neue sollen aber nicht aufgehängt werden.

Im Fall des Obergerichtes hat der Zuger Kantonsrat aber ohnehin nichts zu bestimmen: Dieses geniesst nämlich verfassungsrechtliche Autonomie und kann die Empfehlungen des Kantonsrates ablehnen.

Im einst überwiegend katholischen Kanton Zug gehören heute nur noch 55 Prozent der Bürger dieser Konfession an – Tendenz weiter sinkend. Immer zahlreicher werden hingegen die Konfessionslosen, die mittlerweile schon die Reformierten überholt haben.

sda