CHAM: Beim Benefiz-Fussballturnier in Cham sollen Vorurteile ins Offside gestellt werden

Am Sonntag steigt das zweite Benefiz-Fussballturnier auf der Sportanlage Röhrliberg. Asylsuchende und Schweizer kicken gemeinsam. Turnierinitiator Dominic Szönyi weiss aus seiner Familie, was Flucht bedeutet.

Ruedi Burkart
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Turnierinitiator Dominic Szönyi (rechts) bei einer Trainingseinheit mit Asylsuchenden in der Herti (Bild: Werner Schelbert (Zuger Zeitung) (Zuger Zeitung))

Turnierinitiator Dominic Szönyi (rechts) bei einer Trainingseinheit mit Asylsuchenden in der Herti (Bild: Werner Schelbert (Zuger Zeitung) (Zuger Zeitung))

Ruedi Burkart

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Eine gute Idee wird morgen Sonntag erneut umgesetzt. «Integration durch Fussball» nennt sich der Anlass, welcher auf der Sportanlage Röhrliberg Asylsuchende und Einheimische zusammenbringen soll. Ein Turnier in gemischten Sechser-Teams organisiert und durchgeführt dank einer Zusammenarbeit des FC Zugersee, der KISS-Cham sowie dem Netzwerk Integration Cham. Es wird jedoch nicht nur gekickt, der kulturelle Austausch findet auch auf der kulinarischen Ebene statt. Stände mit Köstlichkeiten aus verschiedenen Ecken der Welt sollen die Bevölkerung anlocken. «Wir freuen uns auf einen wunderbaren Tag», blickt Initiator Dominic Szönyi voraus, «das Wetter sollte auf jeden Fall mitspielen».

Das war am Mittwoch noch ganz anders. Schien den Tag hindurch die Sonne, peitschte der Regen während eines 90-minütigen Trainingsspiels am Abend auf einem Zuger Kunstrasen unerbittlich auf die Akteure. Bei Temperaturen von gerade noch acht Grad über dem Gefrierpunkt frönten Akteure des FC Zugersee und eine Handvoll Asylbewerber aus verschiedenen Gegenden des Kantons Zug dem Plausch-Kick. «Wir dürfen einmal die Woche dank Entgegenkommen des FC Zug 94 und des Sportamts der Stadt Zug auf den Kunstrasen», sagt Szönyi, «dafür sind wir dankbar».

Neuauflage nach einem Jahr Unterbruch

Dankbar sind auch die Asylbewerber für die Abwechslung im Alltag. Die jungen Männer aus Ländern wie Somalia, Irak oder auch Syrien liessen sich von der garstigen Witterung nicht beirren und zauberten den einen oder anderen sehenswerten Spielzug auf die Plastikunterlage. «Es scheinen alle für Sonntag bereit zu sein», schmunzelte Szönyi. Der 25-jährige ehemalige 3.-Liga-Fussballer des SC Steinhausen liess es sich nicht nehmen, ebenfalls mitzuspielen. Szönyi – dessen Vater als Sechsjähriger als Folge des Ungarnaufstands 1956 in die Schweiz kam – war im Frühling 2016 bereits bei der ersten Austragung des Fussballturniers massgeblich an der Organisation beteiligt. Nach einem Jahr Unterbruch ist er wieder an vorderster Front dabei. Warum? «Wir wollen mit unserem Engagement die Integration fördern und Vorurteile ins Offside stellen», sagt er. Nur einmal ein nettes Turnierchen durchführen, allen Mal schnell die Hand schütteln und es dann gut sein lassen, das bringe gar nichts. Jusstudent Szönyi: «Man muss immer dranbleiben.»

Kennenlernen steht im Vordergrund

So werden am Sonntag wie schon 2016 gemischte Teams auf Torejagd gehen, je drei Flüchtlinge und Einheimische bilden zusammen eine Mannschaft. Wobei, todernst wird die Einteilung nicht genommen. «Wir spielen mit 20 Mannschaften», erklärt Szönyi, «falls ein Team zu wenig Spieler hat, helfen Akteure aus anderen Mannschaften einfach aus». Es gehe schliesslich nicht ums Resultat auf dem Rasen, sondern, so Szönyi weiter, «um das gegenseitige Kennenlernen, um den Abbau von Vorurteilen. Und ganz einfach darum, einen tollen Tag miteinander zu verbringen». Wer Sport treibt oder auch anderen dabei zuschaut, kriegt Hunger. Deshalb wird das Grümpelturnier angereichert mit einem kulinarischen Angebot mit schweizerischen und interkulturellen Köstlichkeiten. Szönyi: «Diese Speisen werden ebenfalls von einer gemischten Kochtruppe zubereitet.» Die Einnahmen aus dem Benefizturnier werden für weitere Integrationsprojekte verwendet. Apropos: Laut Szönyi soll «Integration durch Fussball» künftig jedes Jahr durchgeführt werden.

Hinweis

«Integration durch Fussball»: Sonntag, 8. April, 10 bis 18 Uhr, Rasen alte Turnhalle Röhrliberg, Cham