Washington

Vom Sturm auf das Kapitol bis zu Trumps Niederlage: Was in den USA passierte – die 15 wichtigsten Punkte

Am US-Parlamentssitz spielten sich nie da gewesene Szenen ab. Proteste von Anhängern des abgewählten Präsidenten Trump arteten in Gewalt aus. Erst nach Stunden voller Chaos kommt der Kongress wieder zusammen – und bestätigt den Wahlsieg von Joe Biden formell. Die wichtigsten Ereignisse im Überblick.

dpa/chm
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1. Proteste in den Strassen von Washington

Im Kapitol hatten sich das Repräsentantenhaus und der Senat am Mittwochmittag (Ortszeit) versammelt, um die Ergebnisse der US-Präsidentenwahl vom November - und Bidens Sieg - offiziell zu bestätigen. Tausende Trump-Anhänger strömten in die US-Hauptstadt, um gegen die Zertifizierung des Wahlausgangs zu protestieren.

Protest in Washington.

Protest in Washington.

Keystone

Trump hatte die Wahl mit deutlichem Abstand gegen seinen Herausforderer Biden verloren - will seine Niederlage aber nicht eingestehen. Trump behauptet, er sei durch erheblichen Betrug um den Sieg gebracht worden. Weder er noch seine Anwälte legten stichhaltige Beweise dafür vor. Dutzende Klagen des Trump-Lagers wurden bislang von Gerichten abgeschmettert, auch vom Obersten US-Gericht.

2. Trump ruft seine Unterstützer auf, zum Kapitol zu ziehen.

Kurz vor dem Start der Kongresssitzung war Trump nahe dem Kapitol vor seinen Anhängern aufgetreten, hatte unbelegte Wahlbetrugsbehauptungen wiederholt und seine Unterstützer aufgerufen, zum Kapitol zu ziehen. Sie dürften sich den «Diebstahl» der Wahl nicht gefallen lassen.

Will seine Niederlage einfach nicht eingestehend: Donald Trump.

Will seine Niederlage einfach nicht eingestehend: Donald Trump.

Foto: Keystone

3. Marsch zum Kapitol

Nach der aufstachelnden Rede des Republikaners marschierten Trump-Unterstützer vor dem Kapitol auf, dem Sitz des US-Parlaments, um gegen die Zertifizierung der Präsidentschaftswahlergebnisse zu protestieren. Randalierer stürmten das Kongressgebäude.

Das Kapitol wird gestürmt.

Das Kapitol wird gestürmt.

Foto: Keystone

4. Sitzung unterbrochen

Die beiden Kongresskammern mussten ihre Sitzungen unterbrechen, Parlamentssäle wurden geräumt, Abgeordnete in Sicherheit gebracht.

5. Zerschlagene Scheiben und Bilder knipsende Demonstranten

Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Randalierer Scheiben zerschlugen, sich so Zugang zum Gebäude verschafften und auch in Abgeordnetenbüros eindrangen. Auf einem anderen Bild posierte ein Demonstrant im geräumten Senatssaal mit erhobener Faust auf dem Platz des Kammervorsitzenden.

Bilder aus dem Kapitol.

Bilder aus dem Kapitol.

Foto: Keystone

6. Trumps Videobotschaft

Nachdem zahlreiche Politiker eindringlich an Trump appellierten, den Gewaltausbruch zu stoppen, veröffentlichte der Präsident auf Twitter eine Videobotschaft, in der er seine Anhänger aufrief abzuziehen. Er verstehe den Ärger über den Ausgang der Wahl, «aber ihr müsst jetzt nach Hause gehen», sagte Trump in dem Clip. Zugleich sagte er an die Adresse seiner Anhänger: «Wir lieben euch.» Später schrieb er in einem weiteren Tweet, solche «Dinge und Geschehnisse» passierten eben, wenn «ein Erdrutschsieg» gestohlen werde. «Erinnert Euch für immer an diesen Tag!», schob er nach.

7. Joe Biden spricht von einem Angriff auf die Demokratie»

Der künftige US-Präsident Joe Biden sprach von einem Angriff auf die Demokratie. «Das Kapitol zu stürmen, Fenster einzuschlagen, Büros zu besetzen, den Senat der Vereinigten Staaten zu besetzen, durch die Schreibtische des Repräsentantenhauses im Kapitol zu wühlen und die Sicherheit ordnungsgemäss gewählter Beamter zu bedrohen, ist kein Protest», sagte der Demokrat. «Es ist Aufruhr.»

8. Nationalgarde und Ausgangssperre

Angesichts der Ausschreitungen wurde die Nationalgarde mobilisiert. Im Kapitol schwärmten bewaffnete Sicherheitskräfte durch die Räume, um die Unruhestifter zu stellen. In Washington trat am Abend eine Ausgangssperre bis zum frühen Donnerstagmorgen in Kraft. Auch für die angrenzenden Städte Arlington und Alexandria wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.

Müssen für Sicherheit sorgen. US-Polizei im Kapitol.

Müssen für Sicherheit sorgen. US-Polizei im Kapitol.

Foto: Keystone

9. Frau angeschossen - insgesamt vier Tote

Nach der gewaltsamen Erstürmung des Kapitols durch Trump-Unterstützer wurde eine Frau angeschossen - sie starb wenig später, wie der Chef der Polizei in der US-Hauptstadt, Robert Contee, in der Nacht zu Donnerstag sagte. «Darüber hinaus wurden heute drei weitere Todesfälle aus der Umgebung des Kapitols gemeldet. Eine erwachsene Frau und zwei erwachsene Männer scheinen an unterschiedlichen medizinischen Notfällen gelitten zu haben, die zu ihrem Tod führten.»

Contee machte keine Angaben dazu, wer die Frau war, die im Kapitol angeschossen wurde. «Das ist ein tragischer Vorfall, und ich kondoliere der Familie und den Freunden des Opfers», sagte er. Der Vorfall werde intern von der Polizei untersucht. Unklar blieb auch, um welche medizinischen Notfälle es sich handelte. Contee sagte weiter, bei den Zusammenstössen seien mindestens 14 Polizisten verletzt worden, zwei davon schwer. Mehr als 50 Menschen seien festgenommen worden.

10. Wut und klare Worte von den Abgeordneten

Der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, sagte, die Kammer lasse sich nicht einschüchtern und werde sich nicht Gesetzlosen beugen. Der Minderheitsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, nannte die Aufrührer «inländische Terroristen». Er machte Trump für den Angriff auf das Kapitol mitverantwortlich.

Mehrere demokratische Kongressabgeordnete gaben Trump ebenfalls persönlich die Schuld für die Eskalation und forderten ein erneutes Amtsenthebungsverfahren gegen ihn. Aber auch mehrere Republikaner warfen Trump öffentlich vor, er habe den Aufruhr angezettelt.

11. Twitter sperrt Trumps Account

Twitter sperrte Trumps Konto schliesslich für zwölf Stunden. Drei Tweets des Accounts hätten «wiederholt und schwerwiegend» gegen die Richtlinien der Plattform verstossen, erklärte der Kurznachrichtendienst zur Begründung.

12. US-Vizepräsident verurteilt die Ausschreitungen

Anders als Trump verurteilte US-Vizepräsident Mike Pence die Ausschreitungen scharf. Pence leitete die Kongresssitzung zur Zertifizierung der Wahlergebnisse. Trump hatte ihn direkt dazu aufgerufen, sich gegen die Bestätigung von Bidens Sieg zu stellen - entgegen den Gesetzesvorgaben. Pence, seinem Chef sonst stets treu ergeben, wies das Ansinnen jedoch zurück.

Mike Pence richtet klare Worte an die Demonstranten und verurteilt die Gewalt.

Mike Pence richtet klare Worte an die Demonstranten und verurteilt die Gewalt.

Foto: Keystone

13. Internationale Reaktionen

Auch international lösten die Unruhen Besorgnis aus. Vertreter der Bundesregierung und Regierungschefs anderer Länder äusserten sich ebenso schockiert über die Ausschreitungen wie die Spitzen des EU-Parlaments und der Europäischen Kommission. «Die Feinde der Demokratie werden sich über diese unfassbaren Bilder aus Washington, D.C. freuen», schrieb Bundesaussenminister Heiko Maas auf Twitter. Trump und seine Unterstützer sollten endlich die Entscheidung der amerikanischen Wähler akzeptieren und «aufhören, die Demokratie mit Füssen zu treten».

14. Sitzung fortgesetzt: Biden gewinnt Wahl offiziell

Die Zertifizierung der Wahlergebnisse ist in den USA üblicherweise eine Formalie. Nachdem der Kongress die Sitzung Stunden später demonstrativ wieder aufgenommen hatte, besiegelte er Donald Trumps Niederlage bei der Wahl endgültig. Die Einsprüche gegen die Ergebnisse in Arizona und Pennsylvania, wo Biden gewonnen hatte, wurden in der Nacht zu Donnerstag abgelehnt.

Um 3.40 Uhr am Donnerstagmorgen (Ortszeit) ist es amtlich. Pence verkündet, dass Biden die Wahl gewonnen hat. Der 46. Präsident der Vereinigten Staaten wird am 20. Januar vor dem Kapitol vereidigt werden.

Vizepräsident Mike Pence verkündet Joe Biden als rechtmässigen Sieger der Wahlen.

Vizepräsident Mike Pence verkündet Joe Biden als rechtmässigen Sieger der Wahlen.

J. Scott Applewhite / AP

15. Trump verspricht geordnete Machtübergabe

Trump lässt kurz darauf über seinen stellvertretenden Stabschef Dan Scavino mitteilen, er werde sich nicht gegen eine geordnete Amtsübergabe sperren - «auch wenn ich dem Ergebnis der Wahl absolut widerspreche und die Fakten mir Recht geben». Weiter heisst es: «Während dies das Ende der grossartigsten ersten Amtszeit in der präsidialen Geschichte darstellt, ist es nur der Anfang unseres Kampfes, Amerika wieder gross zu machen!»