Alain Berset spricht vom «Weg der Vernunft und der Verhältnismässigkeit»

Sorglosigkeit könne sich rächen, warnt der Bundesrat in einem Zeitungsbeitrag. Gleichzeitig ruft der Gesundheitsminister dazu auf, die Arbeitsbedingungen in «systemrelevanten Berufen» zu verbessern.

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Bundesrat Alain Berset spricht während der Sommersession in der Bernexpo.

Bundesrat Alain Berset spricht während der Sommersession in der Bernexpo.

Keystone

(mg) Es sei derzeit «ein täglicher Balanceakt zwischen Lebensfreude und Selbstdisziplin, zwischen Aufatmen und Sorge», schreibt Bundesrat Alain Berset in einem Gastbeitrag für die TA-Media-Zeitungen. Das Virus sei noch da, «Sorglosigkeit könnte sich rächen.» Aber er findet auch zuversichtlichere Worte. In der Krise habe man deutlich gespürt, was die Schweiz ausmache: «Pragmatismus, Gemeinsinn, Flexibilität, Bescheidenheit.»

Berset schreibt auch über Solidarität. «Verantwortung ist nicht teilbar in Verantwortung für sich selbst und Verantwortung für die anderen», so Berset. «Allen – fast allen – war und ist bewusst, dass Nachlässigkeit oder gar Rücksichtslosigkeit all das gefährdet, was wir in den letzten Monaten zusammen erreicht haben», schreibt der Gesundheitsminister.

Appell für höhere Löhne in Pflegeberufen

Die Schweizer Art der Krisenbewältigung nennt Berset einen «Weg der Vernunft und der Verhältnismässigkeit.» Natürlich habe es «manchmal auch gerumpelt, aber im Nachhinein ist man immer klüger.» Er appelliert, ein Stück Solidarität mit in die Zeit nach der Coronakrise zu nehmen: «Es ist uns allen bewusst geworden: Gerade in sogenannt systemrelevanten Berufen werden zum Teil tiefe Löhne bezahlt, sind die Arbeitsbedingungen oft schlecht – von der Alterspflege über die Kinderbetreuung bis zur Lebensmittelversorgung.» Ein faires Land suche «aktiv nach seinen Gerechtigkeitslücken und wartet nicht selbstgefällig ab, bis diese unübersehbar klaffen.»