Ungleichheit
Schweiz ohne Armut: Caritas fordert Bund und Kantone zum Handeln auf

Die Coronakrise hat die Ungleichheit in der Schweiz verstärkt. Insbesondere Menschen knapp über der Armutsgrenze geraten vermehrt in Not. Die Caritas sieht dringenden Handlungsbedarf.

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In der Coronakrise waren zahlreiche Menschen in der Schweiz auf Lebensmittel-Abgaben angewiesen. (Archivbild)

In der Coronakrise waren zahlreiche Menschen in der Schweiz auf Lebensmittel-Abgaben angewiesen. (Archivbild)

Keystone

Mit der anhaltenden Coronapandemie verschärft sich die finanzielle Lage vieler Menschen in der Schweiz. Zu den 735’000 Armutsbetroffenen kommen gemäss der Caritas Schweiz rund 600'000 Menschen, die knapp über dem Existenzminimum in prekären Verhältnissen leben. Wie das Hilfswerk am Montag mitteilte, sind diese Menschen für Situationen wie die Coronakrise nicht ausreichend gewappnet. Wer den Lebensunterhalt vor der Krise nur knapp finanzieren konnte, sei durch einen Einkommensverlust sofort in eine Notlage geraten.

«Armut ist kein individuelles Problem, sondern grösstenteils eine Folge von ungünstigen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen», wird Aline Masé, Leiterin der Fachstelle Sozialpolitik der Caritas Schweiz, in einer Mitteilung zitiert. Sie sieht in verschiedenen Bereichen dringenden Handlungsbedarf, denn immer mehr Menschen drohten den gesellschaftlichen Anschluss zu verlieren. Caritas Schweiz lanciert deshalb einen Appell «für eine Schweiz ohne Armut».

Wenn die Arbeit nicht zum Leben reicht

Die Entwicklungen in der Coronakrise sind laut dem Hilfswerk ein Warnzeichen. «Dass Menschen in unserem Land unter prekären Bedingungen leben müssen, dass Personen trotz Arbeit nicht genug zum Leben haben, sind Tatsachen, die es in der reichen Schweiz so eigentlich nicht geben dürfte», sagt Andreas Lustenberger, Leiter Politik und Public Affairs bei der Caritas.

Bund und Kantone seien gefordert, zur Bekämpfung der Armut «alle Hebel in Bewegung zu setzen», heisst es weiter. So müsse unter anderem würdige Arbeit mit existenzsichernden Löhnen und familienfreundlichen Arbeitszeiten sichergestellt werden. Weiter brauche es bezahlbare familienergänzende Betreuung, schrankenlosen Zugang zu Weiterbildungen und bezahlbaren Wohnraum. (agl)