Arbeitsmarkt
Travailsuisse bläst zur Weiterbildungsoffensive

Gegen den Fachkräftemangel und die Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt will der Arbeitnehmenden-Dachverband Travailsuisse ankämpfen. Arbeitgeber und Staat sollen sich stärker beteiligen, fordert der Verband.

Ann-Kathrin Amstutz
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Zugang und Finanzierung von Weiterbildungen fördern: Das fordert Travailsuisse. (Symbolbild)

Zugang und Finanzierung von Weiterbildungen fördern: Das fordert Travailsuisse. (Symbolbild)

Keystone

Heute müssten sich Arbeitnehmende ein Leben lang weiterbilden, um ihre Arbeitsmarktfähigkeit zu erhalten, schreibt Travailsuisse am Dienstag in einer Mitteilung. Für den Dachverband der Arbeitnehmenden ist klar: Weiterbildung ist nicht mehr eine individuelle, sondern eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Deshalb bläst Travailsuisse nun zu einer Ausbildungsoffensive und präsentierte vor den Medien seine Forderungen.

«Die Megatrends unserer Zeit beschleunigen den Strukturwandel. Dadurch verkürzen sich die Halbwertszeit des Wissens und der Qualifikationen», schreibt Travailsuisse. Berufe verschwinden, neue entstehen. Arbeitstechniken und Anforderungsprofile verändern sich. Die Forderung nach mehr Weiterbildung für Arbeitnehmende sei deshalb im wirtschaftspolitischen Trend. Doch die Arbeitnehmenden würden damit alleine gelassen, so Travailsuisse:

«Auf sehr viel weniger Gegenliebe stösst die Forderung, wenn sie mit finanzieller und zeitlicher Unterstützung verknüpft ist.»

Genau bei dieser Unterstützung will der Verband ansetzen. Insbesondere müssten Zugang und Finanzierung von Weiterbildungen gefördert werden, schreibt Travailsuisse weiter. Sowohl von Arbeitgeberseite als auch von der öffentlichen Hand gebe es zu wenig Unterstützung. Besonders Personen mit keiner oder tiefer formaler Bildung, Migrantinnen und Teilzeitarbeitende hätten es schwer, vom Arbeitgeber Unterstützung zu erhalten, wie aus der Travailsuisse-Studie «Barometer Gute Arbeit» hervorgeht.

Auch bei Einkommenseinbussen, die durch die Weiterbildung entstehen, sieht der Verband Handlungsbedarf. Es gebe erhebliche Lücken und Hürden beim Zugang zu Geldern; überdies hänge die Unterstützung stark vom Wohnkanton ab. In den meisten Kantonen gebe es spätestens mit 40 Jahren überhaupt keine Möglichkeiten für ein Stipendium mehr. Der Vorschlag von Travailsuisse: Weiterbildungen sollten stärker durch Stipendien, die Arbeitslosenversicherung und «Bildungsgutscheine» unterstützt werden.

Weiterbildung als Schlüssel gegen den Fachkräftemangel

Bei den Berufsabschlüssen von Erwachsenen will Travailsuisse ebenfalls ansetzen. Insbesondere für Personen ohne Berufsabschluss sei der Zugang zum Weiterbildungssystem eingeschränkt. Oftmals werde ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis vorausgesetzt. Deshalb müsse man die Anzahl Berufsabschlüsse für Erwachsene erhöhen.

Gemäss einer Studie der Berner Fachhochschule liegt das Potenzial für einen Berufsabschluss bei Erwachsenen bei 336'000 Personen im Alter von 25 bis 55 Jahren. Davon werde jährlich nur rund 1,5 Prozent ausgeschöpft. Für Travailsuisse ist klar: Hier müsste man ansetzen, um dem in vielen Branchen akuten Fachkräftemangel zu begegnen.