Auch Pharmafirmen sollen von Unispitälern Patientendaten erhalten

Um Behandlungen zu verbessern, wollen Schweizer Universitätsspitäler ab diesem Jahr Patientendaten austauschen. Davon profitieren sollen bald auch Pharmafirmen. Patientenschützer sind alarmiert.

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Wer wie behandelt wird wollen die Universitätsspitäler nicht nur untereinander austauschen sondern auch mit Pharmafirmen.

Wer wie behandelt wird wollen die Universitätsspitäler nicht nur untereinander austauschen sondern auch mit Pharmafirmen.

Symbolbild: Gaetan Bally/Keystone

(sat) Die Gesundheitsversorgung in der Schweiz ist Sache der Kantone. Entsprechend unterschiedlich wird teilweise erfasst, wie die Patientinnen und Patienten behandelt werden. Dass der Wissenschaft trotz Kantönligeist möglichst viele und vergleichbare Behandlungsdaten zur Verfügung stehen, arbeiten die fünf Unispitäler Basel, Bern, Genf, Lausanne und Zürich seit drei Jahren daran, eine nationale Dateninfrastruktur aufzubauen. Wie die TX-Medien am Montag berichten, soll diese noch in diesem Jahr ihren Betrieb aufnehmen.

Doch nicht nur unter den Universitätsspitälern sollen die Daten zur Verbesserung der medizinischen Behandlungen bald ausgetauscht werden. Die Spitäler streben beim Austausch von Patientendaten auch eine Partnerschaft mit der Pharmaindustrie an. Das kündigt Urs Frey, Präsident des Projekts Swiss Personalized Health Network (SPHN), in dem Bericht an.

Bislang glichen die fünf Unispitäler im Rahmen des Netzwerks Patienteninformationen verschlüsselt nur untereinander ab. Und dies nur, wenn die Patientinnen oder Patienten zuvor ihr Einverständnis dazu gegeben haben. Die Daten, so betont das SPHN in dem Artikel, verblieben bei den jeweiligen Spitälern.

Bei der Pharmaindustrie laufen die Macher des SPHN damit laut TX-Medien offene Türen ein. «Die Schweiz hinkt in der Informationsverknüpfung im medizinischen Bereich vielen anderen Staaten hinterher», lässt sich Marcel Sennhauser, Sprecher des Verbandes Scienceindustries, zitieren. Eine engere Zusammenarbeit biete die Chance, die Entwicklung verbesserter Therapien zu beschleunigen.

Dass nun auch die Pharmaindustrie in diesen Austausch von Patientendaten einbezogen werden soll, erachtet die Schweizerische Patientenorganisation (SPO) dagegen als nicht unproblematisch. Grundsätzlich begrüsst SPO-Vertreter Daniel Tapernoux zwar das Projekt und die Zusammenarbeit unter den Spitälern. Denn Patienten könnten von personalisierten Therapien profitieren. Doch betont der Patientenschützer, dass die Patienten stets Herr über ihre Daten bleiben müssten. «Ein Patient sollte seine Daten jederzeit einsehen können und über jedes grössere Projekt informiert werden», fordert Daniel Tapernoux. Und dann «fallweise entscheiden, ob er seine Daten dafür anonymisiert zur Verfügung stellt oder nicht».

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