Auf Schweizer Strassen sind mehr Raser unterwegs – aber nicht nur wegen des Lockdowns

Verschiedene Kantone haben in den letzten Wochen vermehrt Raser und Schnellfahrer angehalten. Ob die Zunahme mit der Corona-Krise zusammenhängt, ist aber nicht so einfach zu bestimmen. Denn: Es wurde auch mehr getestet.

Gina Bachmann
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Keystone

Seit Anfang April hat die Kantonspolizei Zürich fünf Raserdelikte und 30 Geschwindigkeitsüberschreitungen vermeldet. Stefan Oberlin, Mediensprecher der Kapo Zürich bestätigt auf Anfrage, dass es sich dabei um eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr handelt. Ähnlich sieht die Situation im Kanton Bern aus. «Die Anzahl an Rasern hat seit Anfang Jahr zugenommen im Vergleich zum Vorjahr und seit April ist auch der Schweregrad der Widerhandlungen gestiegen», sagt Mediensprecherin Jolanda Egger. Mit anderen Worten: Schnellfahrer sind zurzeit noch schneller unterwegs als üblich.

Angesichts weiterer Meldungen, die aus anderen Kantonen in den letzten Wochen vermehrt auf den Redaktionen eingetroffen sind, liegt der Verdacht nahe, dass ein Zusammenhang mit der aktuellen Situation besteht. Fühlen sich die Menschen zu Hause eingeengt, sind frustriert und drücken deshalb vermehrt aufs Gaspedal?

Mehr Meldungen und schönes Wetter

Laut Florian Schneider von der Kantonspolizei St. Gallen ist dieser Rückschluss nicht ganz so einfach. Auch in St. Gallen habe man eine Zunahme an Schnellfahrern feststellen können, bestätigt er. «Aber die Zahl der Fälle von Schnellfahren und Rasern hängt auch damit zusammen, wie oft wir Kontrollen machen. Wir haben vermutet, dass die Anzahl solcher Fälle zunehmen könnte, haben die Situation beobachtet und die Kontrollen dann verstärkt». Zudem erhält die Polizei laut Schneider zurzeit viele Meldungen von Bürgerinnen und Bürgern, die sich über Lärm, Posen mit dem Auto oder unnötigen Fahrten beschweren würden.

Ob die Kontrollen auch im Kanton Bern verstärkt wurden, kann Jolanda Egger aus taktischen Gründen nicht sagen. Klar sei hingegen: «Es gibt viele Faktoren für zu schnelles Fahren, zum Beispiel auch das schöne Wetter.» Im Aargau spielt zudem eine Rolle, dass man nicht mehr über die Grenze in den Schwarzwald fahren könne, wie es auf Anfrage bei der Kantonspolizei heisst.

Nicht alle Kantone betroffen

Immerhin scheinen nicht alle Kantone gleich stark vom Phänomen betroffen zu sein. Bei der Kantonspolizei Graubünden etwa war eine Zunahme von Raserdelikten jüngst kein Thema, wie es auf Anfrage von CH Media heisst. Auch im Kanton Schwyz sei weder vermehrt kontrolliert, noch seien Raser erwischt worden, heisst es seitens der Kantonspolizei.