BAG-Delegierter Daniel Koch: «Wir haben maximal die Hälfte der Krise erreicht»

Obwohl sich die Zahlen der Neuerkrankungen aktuell zu stabilisieren scheinen, mahnen Experten des Bundes nach wie vor zur Vorsicht. Besonders am Osterwochenende gelte es, sich an die Massnahmen zu halten. 

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Daniel Koch, Delegierter des BAG für COVID-19,

Daniel Koch, Delegierter des BAG für COVID-19, 

Keystone

(agl) Verschiedene Experten des Bundes appellierten am Dienstag erneut an die Bevölkerung, am Wochenende zu Hause zu bleiben und auf Reisen zu verzichten. «Die Situation scheint sich zu stabilisieren», sagte Daniel Koch Delegierter für Covid-19 beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) zu Anfang der Medienkonferenz. Jedoch sei die Anzahl der Verstorbenen beträchtlich und nach wie vor würden in der Schweiz 412 Personen auf Intensivstationen beatmet. «Es ist zu früh um zu sagen, das Problem ist gelöst», so Koch. Später ergänzt er, dass wir uns «im Maximum in der Hälfte der Krise» befinden. 

Was die Lockerung der Massnahmen und eine allfällige Exit-Strategie betrifft, verweist Koch erneut auf kommende Entscheidungen des Bundesrats. Natürlich müsse man an die Zeit nach der Krise denken, dürfe aber nicht das Risiko eingehen, «dass es zu einem plötzlichen Wiederanstieg der Fälle kommt». 

Einen Schwellenwert, bei dem man an Lockerungen denken könne, nennt er nicht. Dies hänge von verschiedenen Faktoren ab, wie den Neuerkrankungen, Spital-Eintritten und den Sentinella-Zahlen, so Koch. Ebenfalls müsse man in Betracht ziehen, dass nicht alle Regionen gleich stark betroffen seien. 

Rückholaktionen des EDA werden bald enden

Stefan Blättler, Präsident der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten, kündigte an, dass am Osterwochenende die Polizeipräsenz erneut verstärkt werde. Es sei nun wichtig, das bereits Erreichte nicht erneut aufs Spiel zu setzen. Auf Motorradausflüge, Reisen in die Berge und Grillpartys solle verzichtet werden, so Blättler. Entscheide zu Strassensperrungen müssten vor Ort erfolgen, falls es in bestimmten Gebieten Probleme gebe. 

Auch die Angehörigen der Armee müssen über Ostern in der Kaserne bleiben, sagt Brigadier Raynald Droz. Dies bedeute für viele ein grosses Opfer. «Wir müssen jedoch mit gutem Beispiel vorangehen», so Droz. In der Armee befänden sich zurzeit 728 Personen in Quarantäne, 49 Erkrankte seien in Isolation. Insgesamt wurden bereits 172 Armeeangehörige positiv auf das Coronavirus getestet. Dies ist ein leichter Anstieg gegenüber dem letzten Samstag. 

Hans-Peter Lenz, Leiter Krisenmanagement beim Eidgenössichen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), kündigte an der Medienkonferenz zudem das baldige Ende der Rückholaktionen an. Schweizer Reisende, die aktuell noch im Ausland festsitzen, fordert er dazu auf, die letzten vom EDA gecharterten Flüge zurück in die Schweiz in Anspruch zu nehmen. «Aktuell erhalten wir nur noch wenige Gesuche von Rückkehrwilligen», so Lenz.