Belästigungsvorwürfe bei RTS: Nachrichtenchef tritt vorübergehend zurück

Der Chef der Nachrichtenredaktion des Westschweizer Fernsehens RTS gibt die operative Leitung vorübergehend ab. Hintergrund ist eine laufende Untersuchung wegen sexueller Belästigung und Mobbing.

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Der Chef der Nachrichtensparte bei RTS gibt seine Führungsposition vorübergehend ab.

Der Chef der Nachrichtensparte bei RTS gibt seine Führungsposition vorübergehend ab.

Keystone

(agl) Chefredaktor Bernard Rappaz habe im Einvernehmen mit dem Direktor von RTS beschlossen, sich für die Dauer der Untersuchung zurückzuziehen. Rappaz wolle damit den reibungslosen Betrieb der Nachrichtenredaktion gewährleisten, wie RTS in einer Mitteilung vom Mittwoch schreibt. «Ich bin mir voll bewusst, dass die in der Presse aufgedeckten Fälle und die daraus resultierenden Ermittlungen die Teams destabilisieren können», wird der Nachrichtenchef zitiert.

Er erwarte, dass die Untersuchung die Verantwortlichkeiten auf allen hierarchischen Stufen des Unternehmens klärt, so Rappaz weiter. An seiner Stelle werden ab Mittwoch die stellvertretenden Chefredaktoren und -redaktorinnen die operative Leitung übernehmen, heisst es in der Mitteilung weiter. Weitere Informationen zu Rappaz' Entscheidung gibt RTS nicht bekannt.

Ende Oktober hat die Westschweizer Zeitung «Le Temps» unter Berufung auf anonyme Quellen Fälle von Mobbing und sexueller Belästigung bei RTS aufgedeckt. Die Vorwürfe betreffen unter anderem den ehemaligen Moderator Darius Rochebin. Am vergangenen Mittwoch haben die RTS-Direktion und der SRG-Verwaltungsrat zwei unabhängige Untersuchungen angekündigt, die beteiligten Führungskräfte wurden suspendiert. Laut Angaben seines Anwalts will Rochebin nach der Publikation der Vorwürfe eine Strafanzeige gegen «Le Temps» einreichen.