Bericht über den Postmarkt: Pünktliche Briefe, Tricksereien bei den Arbeitsbedingungen

Die Post hat die Vorgaben für die Grundversorgung erfüllt, schreibt die Postkommission in ihrem Jahresbericht. Künftig will sie ihr Augenmerk darauf richten, dass sich der Postmarkt nachhaltig und für alle Beteiligten fair entwickelt.

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Über 95 Prozent der Pakete landeten 2019 laut Postkommission pünktlich bei ihren Empfänger. (Symbolbild)

Über 95 Prozent der Pakete landeten 2019 laut Postkommission pünktlich bei ihren Empfänger. (Symbolbild)

Jakob Ineichen

(dpo/mg) Der Postmarkt in der Schweiz funktioniert gut und die Schweizerische Post konnte letztes Jahr die Vorgaben für die Grundversorgung einhalten. Zu diesem Schluss gelangt die Eidgenössische Postkommission (PostCom) die den schweizerischen Postmarkt beaufsichtigt in ihrem am Montag veröffentlichten Jahresbericht.

Mit 4,1 Milliarden Franken habe der Postmarkt als Ganzes einen stabilen Umsatz verzeichnet. Im Vorjahr setzte der Postsektor 200 Millionen weniger um. Die Sendungsmenge fiel letztes Jahr hingegen mit 3,2 Milliarden Sendungen deutlich tiefer aus, schreibt die PostCom. Der Rückgang um 4,2 Prozent sei auf die bedeutend geringeren Mengen bei den Briefen, Zeitungen und Zeitschriften zurückzuführen. Dass der Gesamtumsatz auf dem Postmarkt dennoch stabil blieb, ist laut dem Bericht einzig dem massiven Aufschwung im Paketmarkt zu verdanken.

Pünktliche Briefe, nicht eingehaltene Mindestvorgaben

Ebenfalls gute Werte attestiert die PostCom der Post bezüglich deren Pünktlichkeit. Vor allem die Briefe liegen mit 99,3 Prozent (B-Post) und 98 Prozent (A-Post) mit allergrösster Wahrscheinlichkeit zur gewünschten Zeit im Empfängerbriefkasten. Bei den Paketen liegt die Pünktlichkeit mit Werten um die 95 Prozent zwar etwas tiefer, diese sei «aber immer noch genügend», hält die PostCom in ihrem Bericht fest.

Weniger Grund zur Freude hat die unabhängige Aufsichtsbehörde bei der Einhaltung der Arbeitsbedingungen. In den kürzlich festgelegten Mindeststandards wäre ein Mindestlohn von brutto Fr. 18.27 pro Stunde sowie eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 44 Stunden festgelegt. Hier habe man vertiefte Kontrollen durchgeführt. «Eine erste Auswertung ergab, dass einige Firmen die Mindestvorgaben, beispielsweise bezüglich Lohn oder wöchentliche Höchstarbeitszeiten, nicht einhalten», schreibt die PostCom. Gegen die fehlbaren Firmen würde ein Aufsichtsverfahren eingeleitet. Jüngst musste deswegen die Post-Tochterfirma Epsilon SA eine Busse in der Höhe von 180'000 Franken bezahlen.

Zurück zur Normalität

Weiter empfiehlt die Eidgenössische Postkommission den Unternehmen, ihr Umweltbewusstsein zu schärfen. «Die Postbranche muss Umweltbedenken vermehrt Aufmerksamkeit schenken, zumal sie sich bei ihrer Tätigkeit auf einen sehr grossen Fuhrpark stützt und zahlreiche Zustellfahrten in städtischen Umgebungen erfolgen», heisst es in dem Bericht. Während grosse Firmen ihren Kunden die Umweltbelastung der Sendungen offenlegen, hätten da kleinere Marktteilnehmer noch Nachholbedarf.

Auch einen Einblick in das Geschäft des laufenden Jahres gibt der Bericht. So habe die Coronakrise gezeigt, dass das «Postnetz in seiner Gesamtheit zu den wesentlichen Infrastrukturen des Landes gehört.» Im Hinblick auf zukünftige ausserordentliche Situationen sei «eine ganzheitliche Sicht des Postmarkts und all seiner Player unerlässlich.» Während der Coronakrise seien «Vorgaben zur Qualität der Grundversorgung, so die Laufzeiten für Briefe und Pakete, temporär ausser Kraft gesetzt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Rückkehr zur Normalität ebenso zielgerichtet an die Hand zu nehmen ist», bilanziert die PostCom.