Bevölkerung zeigt Herz für Wolf:
Stimmvolk lehnt Jagdgesetz ab

Die Stimmbevölkerung will nicht, dass die Kantone vorbeugend Wölfe abschiessen können. Sie hat das revidierte Jagdgesetz mit 51,9 Prozent knapp abgelehnt. Dabei zeigt sich ein klassischer Graben zwischen Land und Stadt.

Drucken
Teilen

Keystone

(agl/rwa) Die Umfragen kündigten bei der Referendumsabstimmung zum revidierten Jagdgesetz einen knappen Ausgang an. Lange war es auch am Abstimmungssonntag nicht möglich, überhaupt eine Trendaussage zu machen. Am Ende fiel das Verdikt des Stimmvolks zugunsten der Gegner aus. 51,9 Prozent der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben das Gesetz abgelehnt. Die Ergebnisse aus den Kantonen offenbarten einen Graben zwischen städtischen und ländlichen Gebieten. Am deutlichsten fiel die Ablehnung in Basel-Stadt, Genf und Schaffhausen mit über 63 Prozent aus. Anders die Bergkantone Wallis, Uri und Graubünden, wo mehr als 67 Prozent der Stimmbürger Ja sagten.

Die Debatte um das neue Jagdgesetz drehte sich in erster Linie um den Wolf. Die Gesetzesrevision sieht vor, dass die Kantone künftig vorbeugend die Wolfsbestände regulieren können, noch bevor diese einen Schaden angerichtet haben. Bisher war dafür die Zustimmung des Bundes notwendig. Dagegen wehrten sich Umweltverbände sowie SP, die Grünen, GLP und EVP. Aus ihrer Sicht handelt es sich um ein «Abschussgesetz», das den Artenschutz in der Schweiz schwäche.

Gegner fürchten Ausweitung der Liste auf Luchs und Biber

So kritisierten die Gegner die Liste der «regulierbaren» Tierarten. Dabei handelt es sich um die geschützten Arten, für die ein erleichterter Abschuss möglich ist. Nach dem Willen von Bundesrat und Parlament soll neben dem Wolf auch der Steinbock auf die Liste kommen. Die Gegner fürchteten, dass der Bundesrat die Liste um Tiere wie den Biber oder den Graureiher erweitern könne, ohne die Stimmbevölkerung miteinzubeziehen.

Für die Befürworter stellt das Gesetz derweil eine Lösung dar, die zu weniger Konflikten zwischen Wildtieren und Menschen führt – besonders in Berggebieten. Herdenschutz mit Hunden und Zäunen reiche nicht mehr aus, um Wolfsrisse zu verhindern. Der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband fürchtet gar, dass ohne Regulierung der Fortbestand der Alpwirtschaft bedroht sei. Das Gesetz diene aber nicht nur den Nutztieren, so die Befürworter, zu denen auch der Schweizer Bauernverband sowie Jagd Schweiz gehören.

Geltendes Gesetz ist über 30 Jahre alt

Eine kontrollierte Regulierung sorge zudem für weniger Wildverbiss junger Bäume und schütze damit auch die Wälder und die Natur. Weiter bringe die Gesetzesrevision klare Regeln und stärke den Tierschutz. Neben Jagd- und Bauernvertretern unterstützen das Gesetz auch SVP, FDP, CVP und BDP.

Das aktuell geltende Jagdgesetz stammt aus dem Jahr 1986, als es in der Schweiz keine Wölfe mehr gab. Seither ist die Wolfspopulation auf über 80 Tiere angestiegen. Gegen die Gesetzesrevision des Parlaments reichten mehrere Umweltverbände, darunter Pro Natura, BirdLife Schweiz, die Gruppe Wolf Schweiz sowie WWF Schweiz das Referendum ein.