Bundespräsidentin Sommaruga: Isolierung von Risikogruppen ist nicht praktikabel

Die bevorstehenden Lockerungen sollen von einem Schutzkonzept begleitet werden, erklärt Simonetta Sommaruga. Eine Isolierung von Risikogruppen könne sie sich aber nicht vorstellen. 

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Es brauche ein Schutzkonzept für die kommenden Lockerungen, sagt Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga.

Es brauche ein Schutzkonzept für die kommenden Lockerungen, sagt Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga. 

Keystone

(dpo) Die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamt sich, die Spitäler sind nicht überlastet und der Bundesrat will Massnahmen zur Eindämmung des Virus ab dem 26. April lockern. Für jene Bereiche, in denen wieder gearbeitet wird, brauche es ein Schutzkonzept, so dass keine neue Welle ausgelöst werde. Dies erklärt Bundesrätin Simonetta Sommaruga in einem Interview mit dem «SonntagsBlick»

Welche Branchen konkret unter die Lockerungen fallen, werde der Bundesrat kommende Woche entscheiden, so Sommaruga. Dabei müsse man Fragen klären, wie Masken eingesetzt werden oder wie viel getestet werde. Risikogruppen zu isolieren, könne sich die Bundesrätin jedoch nicht vorstellen. Alle über 65-Jährigen und jene mit Vorerkrankungen von der Aussenwelt abzuschneiden sei «nicht praktikabel».

Wegen der Coronakrise ist die Arbeitslosigkeit bereits stark angestiegen, wie neuste Zahlen des Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) zeigen. Der Bundesrat habe auf die Krise so rasch wie die Regierung in kaum einem anderen Land gehandelt, sagt Sommaruga.

Nun will die Vorsteherin des Umweltdepartements (Uvek)  «Milliardenbeträge» in den Unterhalt der Eisenbahn investieren und die erneuerbaren Energien und die Gebäudesanierung fördern. Das sichere dem Gewerbe Aufträge und Arbeit.

«Wir waren nicht übervorsichtig»

Vor allem Wirtschaftsverbände und SVP sowie FDP drängten den Bundesrat auf eine schnelle Lockerung der Massnahmen, um den Schaden für die Wirtschaft in Grenzen zu halten. Die Bundespräsidentin verteidigt hingegen das Vorgehen der Landesregierung: «Wir waren weder übervorsichtig noch leichtsinnig. Wir waren realistisch.»

Trotz den über 60 Milliarden Franken an Unterstützungsmassnahmen, fallen Selbständige, die arbeiten dürfen, aber keine Kunden mehr haben (zum Beispiel Taxifahrer, Physiotherapeuten) durch die Maschen des Hilfspakets. Das sei dem Bundesrat und den Kantonen bewusst, erklärt Sommaruga im Interview. Man suche hier gemeinsam nach Lösungen.