Bundesrat gibt grünes Licht für umstrittene Reorganisation von Agroscope

Die landwirtschaftliche Forschung des Bundes wird zentralisiert. Davon erhofft sich der Bundesrat mehr Mittel für die Forschung. Die einzelnen Standorte dürften wenig Freude haben. Ein Drittel aller Arbeitsplätze sind betroffen. Zum befürchteten Kahlschlag kommt es jedoch nicht.

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Die Reorganisation von Agroscope ist umstritten. Nun findet der Bundesrat einen Kompromiss, der für einige Standorte dennoch schmerzhaft ist.

Die Reorganisation von Agroscope ist umstritten. Nun findet der Bundesrat einen Kompromiss, der für einige Standorte dennoch schmerzhaft ist.

Keystone

(rwa) Der Bundesrat hat am Freitag die Umsetzung der Strategie für die eidgenössische Forschungsanstalt Agroscope genehmigt. Das Geld solle vor allem in der Forschung eingesetzt werden, erklärte Forschungsminister Guy Parmelin vor den Medien. «Agroscope ist nun bereit für die Zukunft.»

Dank der Reform werden die Kosten für Infrastruktur und Betrieb ab 2028 um jährlich 13 Millionen Franken sinken. Dieses Geld fliesst vollumfänglich in die Forschung. Bis 2028 werden insgesamt 60 Millionen Franken eingespart. Wegen der Coronakrise sollen diese aber nur zur Hälfte der Forschung zugute kommen, wie Parmelin auf Nachfrage einräumte.

Agroscope wird künftig aus einem zentralen Hauptstandort im freiburgischen Posieux bestehen und je einem regionalen Forschungszentrum im waadtländischen Changins und im zürcherischen Reckenholz. Hinzu kommen eine Reihe von Versuchsstationen für spezifische Forschungsfragen. Heute ist Agroscope auf zwölf Standorte verteilt.

Kahlschlag ist ausgeblieben

Der Bund hatte im März 2018 über die Pläne für eine Restrukturierung informiert. Agroscope soll sich demnach auf spezialisierte Forschung konzentrieren und die Betriebskosten reduzieren. Als Ziel wurden Budgeteinsparungen von 20 Prozent avisiert. Ein Stellenabbau schien unausweichlich.

Die Pläne des Bundes hatten hohe Wellen geworfen. Kantone mit eigenen Standorten wie auch Politiker im eidgenössischen Parlament warnten vor einem Kahlschlag und kritisierten den Bundesrat für die Zentralisierung auf einen Hauptstandort. Das am Freitag vorgestellte Detailkonzept stellt nun einen Kompromiss dar. Die Strategie wurde in engem Austausch mit den Kantonen und Branchen entwickelt. Bundesrat Parmelin erklärte: «Wir haben eine gute und kontruktive Lösung erreicht.»

Ostschweiz verliert Stellen, Romandie gewinnt

Die Auswirkungen für das Personal sind dennoch einschneidend. Zwar ist der geplante Abbau von 30 von 1000 Stellen relativ gering, doch jeder dritte Arbeitsplatz von Agroscope ist von der Umsetzung betroffen. Für 120 Angestellte wird der Arbeitsort in eine andere Region verlegt – etwa aus dem Grossraum Zürich in die Westschweiz.

Die Konzentration zeigt sich auch bei der Zahl der Mitarbeitenden an den einzelnen Standorten. So arbeiten im thurgauischen Tänikon künftig noch rund 30 Forscher, davor waren es 75. In Reckenholz sinkt die Zahl von 265 auf 225. In Posieux arbeiten dafür neu 450 Angestellte, davor waren es rund 140.

Kritik kommt aus der Landwirtschaft. Es sei ein völlig falsches Zeichen, dass der Bundesrat einen Teil der eingesparten Gelder zurückhalte und für andere Zwecke einsetzen wolle, kritisiert der Schweizer Bauernverband in einer Stellungnahme. Das widerspreche auch früher gemachten Versprechen.