Mehr Tote, aber kein Einbruch der Wirtschaft: Bund präsentiert Zahlen

Die gesundheitliche Lage sei schlechter als in Deutschland oder Österreich, wirtschaftlich stehe die Schweiz aber besser da: Der Bund informierte am Freitag über die neuesten Zahlen.

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Thomas Steffen, Ronald Indergand und Virginie Masserey (v.l.) an der Pressekonferenz des Bundes.

Thomas Steffen, Ronald Indergand und Virginie Masserey (v.l.) an der Pressekonferenz des Bundes.

Keystone

(wap) Nach wie vor fordert die Pandemie in der Schweiz gemessen an der Einwohnerzahl mehr Todesopfer als in den meisten anderen Ländern. Dies erklärte Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) an einer Pressekonferenz am Freitag. Derzeit gebe es auch noch keine Anzeichen für eine Reduktion der Anzahl Todesfälle. Im Vergleich mit dem Ausland habe die Schweiz eine Übersterblichkeit, die sich mit Frankreich oder Italien vergleichen lasse. Sie sei damit immer noch tiefer als in Belgien, aber höher als in Deutschland oder Österreich.

Auch bei der Auslastung der Intensivstationen zeige sich noch keine Verringerung, so Masserey. Allerdings gebe es eine Tendenz zur Stabilisierung. Was die Fallzahlen angeht, herrsche vorsichtiger Optimismus, so Masserey. Vorsichtig deshalb, weil die aktuellen Zahlen die tatsächliche Situation möglicherweise unterschätzten. Hoffnung geben laut Masserey die Daten des Sentinella-Früherkennungsystems, das eigentlich für die Grippe entwickelt worden war. Sie zeigten, dass weniger coronatypische Symptome erfasst worden seien.

Wirtschaft stagniert, bricht aber nicht ein

Während die Schweiz gesundheitlich schlechter fährt als andere Länder, steht sie wirtschaftlich besser da. Die zweite Welle habe die Erholung der Wirtschaft verlangsamt, es habe aber im Gegensatz zur ersten Welle im Frühling keinen weiteren Einbruch des Bruttoinlandprodukts (BIP) gegeben, erklärte Ronald Indergand, Leiter des Ressorts Konjunktur beim Staatssekretariat für Wirtschaft Seco. Diese Aussage stütze sich auf eine «experimentelle Statistik», mit der das Seco versuche, anhand von Echtzeitdaten die Entwicklung des BIP auf die Woche genau zu schätzen.

Die Zahlen zeigten einen massiven Einbruch der Wirtschaft im Frühjahr, eine überraschend schnelle Erholung im Sommer und seit dem Beginn der zweiten Welle eine Stagnation auf einem Niveau, das etwa 2 bis 2,5 Prozent unter den Werten vor der Krise liege. Laut Indergand seien die Zahlen bis vor wenigen Wochen mit jenen in Deutschland und Österreich vergleichbar gewesen. Dort gebe es im Zuge der weiteren Verschärfung der Massnahmen nun einen Abfall, der sich in der Schweiz so nicht beobachten lasse.

An Weihnachten auf Fondue Chinoise verzichten

Die Taskforce, die in den letzten Wochen an der Pressekonferenz jeweils ihre Einschätzung vorgestellt hatte, war am Freitag nicht präsent. Es sei nicht vorgesehen, dass die Taskforce an jeder Pressekonferenz dabei sei, so die offizielle Begründung. Informationen von der medizinischen Front gab es dagegen vom Basler Kantonsarzt Thomas Steffen. Anstelle von Statistiken präsentierte er praktische Tipps zum Umfang mit der zweiten Welle. So sei es hilfreich, nicht rund um die Uhr News zum Thema zu lesen.

Zur Vorbereitung auf das Weihnachtsfest empfahl Steffen eine zusätzliche Reduktion der Kontakte. Dies senke das Risiko, am Heiligen Abend Eltern oder Grosseltern anzustecken. Auch sei etwas Kreativität gefragt, etwa bei der Menüwahl. Auf Fondue Chinoise solle lieber verzichtet werden. Nach Weihnachten empfiehlt Steffen dann erneut eine längere Zeit mit stark reduzierten Kontakten.

Wer Symptome hat, soll sich testen lassen

Ab Sonntag lanciert das Bundesamt für Gesundheit ausserdem eine neue Kampagne. Mit roten Plakaten wird die Bevölkerung aufgefordert, sich beim ersten Anzeichen von Symptomen testen zu lassen. Die Tests seien gratis, sagte Virginie Masserey. Voraussetzung dafür sei, dass nach den Vorgaben des Bundes getestet werde. Wer Symptome hat, solle deshalb zuerst den Online-Coronacheck des Bundes machen.

Zu den bei Medizinern umstrittenen Schnelltests sagte Masserey, dass sich in der Praxis erst noch einspielen müsse, wie diese optimal eingesetzt werden könnten. Thomas Steffen gab zu bedenken, dass die Schnelltests in einer Einzelpraxis tatsächlich mehr Aufwand verursachten als ein herkömmlicher PCR-Test. In grösseren Zentren oder bei grossangelegten Testaktionen, etwa in Heimen, brächten sie aber Vorteile.