Corona-Taskforce-Chef: «Für die jüngsten Lockerungen sind wir noch nicht bereit»

Die jüngst vom Bundesrat beschlossenen Lockerungen hält der Leiter Covid-19-Task-Force des Bundes für verfrüht. Es sei unklar, wie gut das Contact-Tracing etabliert sei.

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Der Epidemiologie-Professor Matthias Egger ist Chef der Covid-19-Task-Force des Bundes.

Der Epidemiologie-Professor Matthias Egger ist Chef der Covid-19-Task-Force des Bundes.

Keystone

(dpo) Für den Leiter der Covid-19-Task-Force des Bundes gehen die Lockerungsschritte zu schnell. Er äusserte seine Befürchtungen in Interviews mit drei Sonntagszeitungen. «Für die jüngsten Lockerungen sind wir noch nicht bereit», sagt Matthias Egger etwa gegenüber der «NZZ am Sonntag». Es fehle nach wie vor an einem funktionierenden Überwachungssystem für die ganze Schweiz. Zudem sei unklar, wie gut das Contact-Tracing etabliert sei. «In dieser Situation kommen die nun beschlossenen Lockerungen zu früh», so Egger weiter.

Am Freitag hatte der Bundesrat beschlossen, dass ab Montag Veranstaltungen bis 1000 Personen wieder erlaubt sind, dass die Polizeistunde wegfällt und der Mindestabstand von 2 Metern auf 1,5 Meter reduziert wird.

Oberster Gesundheitsdirektor: Kantone haben Lage im Griff

Für das Contact-Tracing bei Neuansteckungen sind die Kantone zuständig. Dazu brauche es viel detektivische Arbeit, sagt Rudolf Hauri, oberster Kantonsarzt: «Wenn es uns jetzt nicht gelingt, die Neuansteckungen weitgehend nachzuvollziehen, dann werden wir ein Problem haben, wenn die Fallzahlen stärker steigen

Lukas Engelberger, Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK) entgegnet auf die Kritik von Egger, dass die Wissenschaft sich meist mehr Evidenz wünscht, bevor entschieden wird. «Die Politik hingegen muss oft schneller reagieren und auch andere Faktoren einbeziehen, hier zum Beispiel die wirtschaftlichen Kosten der Massnahmen.» Engelberger räumt zwar gewisse Schwierigkeiten beim Contact-Tracing ein, aber insgesamt hätten die Kantone die Lage im Griff.