Coronakrise: Bundesrat schnürt 500-Millionen-Paket für den Schweizer Sport ++ Fussball und Eishockey profitieren ++ Amherd: «Steuergeld darf nicht für überrissene Spielerlöhne genutzt werden»

Rettung für den Schweizer Sport. Der Bundesrat möchte den Betrieb der Fussball- und Eishockeyligen mit 350 Millionen Franken unterstützen. Weitere 150 Millionen Franken fliessen in Breiten- und Leistungssport. Die Ligen werden verpflichtet, einen Sicherheitsfonds einzurichten. Und Klubs, die Darlehen beanspruchen, müssen ihre Lohnsummen senken.

Simon Häring
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Bundesrätin Viola Amherd schnürt Rettungspaket für den Schweizer Sport.

Bundesrätin Viola Amherd schnürt Rettungspaket für den Schweizer Sport.

Bild: Keystone
  • 350 Millionen für Fussball- und Eishockey-Ligen, um den Spielbetrieb bis Ende der Saison 2020/21 sicherzustellen.
  • Klubs, die Darlehen beanspruchen, müssen ihre Lohnsumme in den nächsten drei Jahren um 20 Prozent senken.
  • Auflagen: Einrichtung eines solidarisch getragenen Sicherheitsfonds für künftige Risiken und Förderung des Nachwuchses.
  • 150 Millionen Franken für Breiten- und Leistungssport ausserhalb der Profi-Ligen im Fussball und Eishockey.
  • Rettungspaket für internationale, in der Schweiz ansässige Sportverbände – die Fifa, die Uefa und das IOC gehen leer aus.

Mitte März erklärte der Bundesrat wegen der Corona-Pandemie die ausserordentliche Lage nach Epidemiegesetz. Seither ruht auch der Spielbetrieb im Profi-Fussball, die Eishockey-Meisterschaft wurde noch vor den Playoffs abgebrochen, es gibt weder Meister noch Aufsteiger und Absteiger. Einnahmen aus Ticket- und Saisonkartenverkauf fallen weg, zahlreiche Vereine sind vom Rückzug von Sponsoren betroffen. Die Folgen der Coronakrise bedrohen vom lokalen Verein bis zu den professionellen Klubs und Verbänden tragende Pfeiler des Schweizer Sportsystems.

Nun hat der Bundesrat ein Massnahmenpaket von 500 Millionen Franken zur Unterstützung des Sports beschlossen. Davon profitieren vor allem die Fussball- und Eishockeyligen, die 350 Millionen Franken erhalten, um den Spielbetrieb bis Ende der Saison 2020/2021 sicherzustellen. Es handelt sich dabei um rückzahlbare Darlehen. Eine erste Tranche über 175 Millionen Franken soll die Ausfälle ab 1. Juni für die nächsten 6 Monate auffangen. Die Rückzahlung muss innerhalb von 5 Jahren erfolgen. Sollte der Spielbetrieb während 12 Monaten nur eingeschränkt möglich sein, wird eine zweite Tranche von weiteren 175 Millionen Franken verteilt. Die Rückzahlung erfolgt in 10 Jahren. Bei beiden Tranchen gehen je 100 Millionen an die Fussball- und 75 Millionen Franken an die Eishockeyliga.

Bundesrätin Viola Amherd sagt zum Hilfspaket: «Wie wichtig der Sport für unsere Gesellschaft ist, zeigt sich gerade jetzt jeden Tag.» Über 100'000 Stellen hingen mit dem Sport zusammen, er trage insgesamt 1,7 Prozent zum Bruttoinlandprodukt bei. Die Bedeutung gehe aber weit über den wirtschaftlichen hinaus. Sport sei für Gesellschaft und Zusammenleben in der Schweiz elementar. Und nicht zuletzt für die Gesundheit wichtig.

Rettungspaket mit strengen Auflagen

Die Darlehen werden via Ligen ausbezahlt und sind mit Verpflichtungen und Auflagen verbunden. Die Ligen werden verpflichtet, einen solidarisch getragenen Sicherheitsfonds für künftige Risiken zu schaffen. Zudem dürfen die Bundesdarlehen nicht für die Deckung überdurchschnittlicher Spielersaläre verwendet werden. Die Nachwuchsarbeit muss mindestens im gleichen Umfang wie vor der Pandemie weitergeführt werden. Um Missbrauch zu verhindern, habe man ein Memorandum of Understanding mit den Profi-Ligen unterzeichnet. Dieses verpflichtet Klubs, die Darlehen beanspruchen, in den nächsten drei Jahren ihre Lohnsumme um 20 Prozent zu senken. Amherd: «Steuergeld darf nicht für überrissene Spielerlöhne benutzt werden. Wir werden das kontrollieren.»

Das Veranstaltungsverbot läuft noch bis mindestens Ende August. Die Super League könnte ihre Saison im besten Fall ohne Zuschauer zu Ende spielen.

Das Veranstaltungsverbot läuft noch bis mindestens Ende August. Die Super League könnte ihre Saison im besten Fall ohne Zuschauer zu Ende spielen.

Bild: Keystone

Sowohl der Breitensport wie auch der übrige Leistungssport ausserhalb von Fussball und Eishockey sind von den Schutzmassnahmen des Bundes gegen die Verbreitung des Coronavirus betroffen. Der Bundesrat hat am 20. März bereits 50 Millionen Franken genehmigt, die als A-fonds-perdu-Beiträge an Sportvereine und -organisationen in finanzieller Not ausbezahlt werden können. Der Bundesrat geht davon aus, dass die Krise gerade im Breitensport erst später richtig durchschlagen und der Unterstützungsbedarf erheblich zunehmen wird. Deshalb sind für 2020 zusätzlich 50 Millionen Franken und im Budget 2021 weitere 100 Millionen Franken vorgesehen. Ziel ist es, eine nachhaltige Schädigung der stark vom Ehrenamt geprägten Schweizer Sportstrukturen zu verhindern.

Vereine und Veranstalter, welche Anspruch auf Bundesgeld erheben, müssen ein schriftliches Gesuch beim Bundesamt für Sport Baspo einreichen. Dies innerhalb der für die Verordnung gesetzten Frist von 6 Monaten. Das Baspo würde dann innert drei Wochen über vollständige Gesuche entscheiden. Dabei muss die Organisation glaubhaft machen, dass ein Kausalzusammenhang zwischen der Zahlungsunfähigkeit und den Massnahmen zur Bekämpfung der Verbreitung des Coronavirus besteht. Ausserdem muss die Organisation glaubhaft machen, dass sie die ihr zumutbaren Selbsthilfemassnahmen ausgeschöpft hat. Unterstützung gibt es nur, wenn man relevant für das System ist, wenn ohne solche Angebote die Struktur des Breitensports angegriffen wird.

Kein Geld für Fifa, Uefa und IOC

Von Hilfsgeldern sollen auch in der Schweiz domizilierte, internationale Sportorganisationen profitieren. Rund 60 internationale Sportverbände seien in der Schweiz angesiedelt, einigen drohe die Zahlungsunfähigkeit, etwa durch die Absage von nationalen und internationalen Grossanlässen. Das Internationale Olympische Komitee IOC soll sich zu 50 Prozent, die Sitzkantone und der Bund zusammen ebenfalls mit 50 Prozent an der Unterstützung beteiligen. Der Bundesrat hat das VBS beauftragt, die Gewährung von Darlehen zu prüfen. Davon explizit ausgenommen sind der Fussballweltverband Fifa, der europäische Fussballverband Uefa und das Internationale Olympische Komitee IOC.

Die Fifa mit Präsident Gianni Infantino (l.) und das IOC mit Präsident Thomas Bach sind vom Rettungspaket des Bundesrats ausgeschlossen.

Die Fifa mit Präsident Gianni Infantino (l.) und das IOC mit Präsident Thomas Bach sind vom Rettungspaket des Bundesrats ausgeschlossen.

Bild: Keystone

Zudem habe der Bundesrat von der Absicht des VBS Kenntnis genommen, Vereine und Organisationen, die J+S-Aktivitäten wegen der Pandemie nicht durchführen konnten, die ausgefallenen Subventionen dennoch auszuzahlen. Dies geschieht im Rahmen des bewilligten J+S-Kredits und entspricht dem Willen der zuständigen Parlamentskommissionen.