Daniel Koch: «Es ist zu früh, um über eine Lockerung der Massnahmen nachzudenken»

Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat am Donnerstag zusammen mit weiteren Experten zur Lage der Schweiz informiert. Ohne weitere Eindämmung der Epidemie verliere man die Kontrolle über die Todeszahlen, warnte er.

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Daniel Koch warnt vor Lockerungen der Massnahmen.

Daniel Koch warnt vor Lockerungen der Massnahmen.

Keystone

(wap) Gestern Mittwoch hatte Bundesrat Alain Berset noch von einem Marathon gesprochen. Koch präzisierte heute Donnerstag: «Es ist ein Marathon ohne Kilometerangabe.» Er warnte davor, aus den täglich veröffentlichten Daten zu Ansteckungen und Todesfällen jetzt schon Schlüsse zu ziehen. Für eine seriöse Prognose müsse man noch einige Tage zuwarten, damit das Ergebnis nicht durch zufällige Tagesschwankungen verfälscht werde. Er und sein Team seien derzeit damit beschäftigt.

Forderungen aus der Wirtschaft nach einer Lockerung der Massnahmen erteilte Koch eine Absage: Es sei ganz einfach zu früh, darüber nachzudenken. Auch eine gezielte Durchseuchung der Bevölkerung, um schnell breite Immunität zu erlangen, komme nicht in Frage. Auch Personen ausserhalb der statistischen Risikogruppen könnten im Einzelfall schwer erkranken. Absichtliche Ansteckungen seien deshalb ethisch jenseits des Denkbaren. «Wenn wir Corona jetzt nicht eindämmen, verlieren wir die Kontrolle über die Todeszahlen», warnte er.

Entlassungswelle zeichnet sich ab

Zur Sprache kamen auch die wirtschaftlichen Folge des Coronavirus. Es gelte nun die Möglichkeit der Kurzarbeit wirklich zu nutzen, betonte Boris Zürcher vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Bereits zeichne sich nämlich eine Entlassungswelle ab: «Wir haben seit dem 15. März 17'000 zusätzliche Stellensuchende registriert.» Diese Zahl sei interessant, weil sie auch Personen abbilde, die derzeit noch beschäftigt seien, jedoch schon von ihrer Kündigung erfahren hätten.

Derzeit befinden sich laut Zürcher schweizweit 11 Prozent der Beschäftigten in Kurzarbeit, im Tessin gar ein Drittel. Es sei von einem täglichen Anstieg der Zahlen auszugehen.

Brigadier Raynald Droz informierte über die Lage im Militär. Derzeit seien 3000 Soldaten im Einsatz, 800 weitere seien aufgeboten worden. Damit komme man nun an die Kapazitätsgrenze. Derzeit mobilisiert die Armee Durchdiener, die ihre Dienstpflicht eigentlich absolviert haben. Auch in anderen Truppengattungen wird nach Personal gesucht, das die nötige Sanitätsausbildung hat. Im Einsatz stehe in vielen Kantonen auch der Zivilschutz, und zwar in einem bisher nie da gewesenen Ausmass. Allerdings könne der Zivilschutz nur leichte Hilfsarbeiten aufführen. Die Sanitätsabteilungen des Zivilschutzes sind nämlich vor einigen Jahren abgeschafft worden.

Trotz der Coronakrise hat der Bund die Asylverfahren nicht ausgesetzt, wie Barbara Büschi vom Staatssekretariat für Migration (Sem) erklärte. Derzeit seien 11 Asylsuchende und 7 Mitarbeiter infiziert. Das Social Distancing werde so gut wie möglich umgesetzt.