Dargebotene Hand: Suizidgedanken nehmen als Folge der Coronapandemie zu

Die Telefonseelsorge Dargebotene Hand hat während der ausserordentlichen Lage mehr Gespräche geführt als in der Vorjahresperiode. Zum Welttag der Suizidprävention ist sie eine Zusammenarbeit mit Twitter eingegangen.

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Ein Schild der Dargebotenen Hand soll Verzweifelte vom Sprung von der Kornhausbrücke in Bern abhalten.

Ein Schild der Dargebotenen Hand soll Verzweifelte vom Sprung von der Kornhausbrücke in Bern abhalten.

Keystone

(dpo) Vom 1. März bis zum 30. Juni 2020 hat die Telefonseelsorge schweizweit 1768 Gespräche mit Menschen geführt, die beabsichtigten, ihr Leben gewaltsam zu beenden. Gegenüber der Vorjahresperiode entspricht das einer Zunahme um 5 Prozent, wie die Dargebotene Hand in einer Mitteilung vom Mittwoch schreibt. Auch die Auswertungen der wissenschaftlichen Task Force des Bundesrates zu Daten von acht Regionalstellen würden auf einen Anstieg hindeuten.

Die Dargebotene Hand befürchtet, dass durch die wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie die Zahl der Verzweifelten weiter ansteigt. Deswegen arbeitet die Telefonseelsorge zum Welttag der Suizidprävention am Donnerstag mit dem Kurznachrichtendienst Twitter zusammen. Denn Suizidgedanken werden häufig über Soziale Medien geteilt, heisst es in der Mitteilung.

Dargebotene Hand ist jederzeit für alle da

Für die Suizidprävention wurde ein sogenannter Search Prompt entwickelt. Dabei handle es sich um eine Einblendung, die aufgrund von Suchbegriffen ausgelöst werde. Diese werde dem Nutzer angezeigt, sobald bestimmte Schlüsselwörter, die auf existenzielle Sorgen oder Suizidgedanken hinweisen, verwendet werden. Der Twitter Search Prompt weist in allen drei Landessprachen darauf hin, dass die Dargebotene Hand jederzeit für alle da ist, so die Telefonseelsorge weiter.

Die Sterbehilfeorganisation Dignitas wiederum vertritt die Ansicht, dass das Recht eines Menschen, selbst über Art und Zeitpunkt seines Lebensendes zu bestimmen, nicht verhandelbar sei. Dies schreibt sie in einer Mitteilung zum Welttag der Suizidprävention. Laut eigenen Angaben setzt sich Dignitas mit offenen Gesprächen für eine Suizidversuchsprävention ein, «ohne Angst vor Stigmatisierung oder Entmündigung».