Chaos bei Corona-Daten: Die Community hat übernommen, SRF zieht nach

Die Corona-Daten des BAG werden vom Schweizer Radio und Fernsehen nicht mehr verwendet: Sie sind zu ungenau. Nun liefern die Open Data-Community und das Statistische Amt des Kantons Zürich.

Peter Walthard
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Die von Daniel Koch präsentierten Zahlen werden von SRF nicht mehr verwendet.

Die von Daniel Koch präsentierten Zahlen werden von SRF nicht mehr verwendet.

Keystone

Seit Donnerstag Abend kommen die über die Kanäle des SRF publizierten Daten zum Verlauf der Coronaepidemie der Schweiz nicht mehr vom Bund. Man habe sich entschieden, stattdessen auf eine Schnittstelle des statistischen Amts des Kantons Zürich zu vertrauen, sagt SRF-Mediensprecher Stefan Wyss. Dort werden die von den Kantonen veröffentlichten Daten zu Ansteckungen und Todesfällen zusammengetragen und in maschinenlesbarer Form veröffentlicht.

Auch das BAG beziehe sich auf die Daten der Kantone. Allerdings habe es oft Verspätung, so dass die täglich veröffentlichten Daten nicht aktuell seien, so Wyss.

Hacker wollen dem Virus an den Kragen

Matthias Mazenauer, stellvertretender Amtschef beim statistischen Amt des Kantons Zürich, leitet dort den «Data Shop». «Wir publizieren einfach, was von den Kantonen kommt», sagt er. Konkret macht das statistische Amt Zürich eine Art Übersetzungsarbeit: Die Fachleute geben alle Daten in ein elektronisches Format ein, das von jedermann abgegriffen und bearbeitet werden kann.

«Die eigentliche Arbeit machen nicht wir, sondern die Open Data-Community», sagt Mazenauer. Das sind Hunderte von Hackern, die mit den Daten Vergleiche anstellen, Analysen machen und Modelle bauen können. Auf diese Weise hoffen sie, einen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten zu können. Die Hacker befinden sich dabei im ständigen Austausch mit Forschungsinstituten.  Für ihre Arbeit brauchen sie topaktuelle, maschinenlesbare Daten, und diese stellt das BAG nicht zur Verfügung. Mazenauer ist begeistert von der kreativen Energie der Community. Es werde wertvolle Arbeit geleistet, der Kontakt mit den Forschungsstellen, etwa der ETH, sei sehr gut.

Auch in anderen Bereichen versuche man derzeit, an aktuelle Daten heranzukommen, sagt Mazenauer. Angedacht ist etwa eine tagesaktuelle Liste von Spitalbetten, Intensivbetten oder Beatmungsgeräten.
Auch einer Zusammenarbeit mit dem BAG stehe man offen gegenüber. «Wir beantworten selbstverständlich jede Anfrage», sagt Mazenauer.

Allerdings habe es von Seiten des Bundes noch gar keine solche Anfrage gegeben. Das BAG und das Team um den Leiter übertragbare Krankheiten, Daniel Koch, war in den vergangenen Tagen wegen veralteter Datenverarbeitungsprozesse in die Kritik geraten.