Die Gefahr lauert im Boden – Bundesrat verstärkt Massnahmen gegen Radon

Jedes Jahr sterben hierzulande 300 Menschen am krebserregenden Gas Radon. Der Bundesrat will nun die Bevölkerung besser schützen – auch weil Experten die bisherigen Bemühungen für ungenügend erachten.

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In der Schweiz ist in jedem zehnten Gebäude die Konzentration von Radon bedenklich für die Gesundheit der Bewohner. Mit einem Dosimeter kann die Konzentration im Keller gemessen werden.

In der Schweiz ist in jedem zehnten Gebäude die Konzentration von Radon bedenklich für die Gesundheit der Bewohner. Mit einem Dosimeter kann die Konzentration im Keller gemessen werden.



Oliver Menge

(rwa) Der Bundesrat hat am Freitag einen Aktionsplan für die Jahre 2021 bis 2030 verabschiedet. Dieser soll sicherstellen, dass die Schweizer Bevölkerung besser vor Radon geschützt wird. Auch müssten die Menschen verstärkt für das Gesundheitsrisiko sensibilisiert werden, heisst es in einer Mitteilung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG).

Radon ist heimtückisch. Das radioaktive Gas findet sich im Boden und kann durch undichte Gebäudehüllen dringen und sich in der Raumluft ansammeln. Es ist krebserregend. Radon ist nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. 2018 hat der Bund als Folge internationaler Empfehlungen den Referenzwert für Radon auf 300 Becquerel pro Kubikmeter gesenkt. Seither ist die ganze Schweiz potenziell radonbelastet. Jedes zehnte Gebäude weist eine Konzentration des Gases auf, die für Bewohner gesundheitlich bedenklich ist.

Konkret sieht der Aktionsplan vor, den Radonschutz in der Baupolitik – bei Neubauten und Sanierungen – mehr Beachtung zu schenken. Auch sollen die Kantone und die Suva bei der Umsetzung der Massnahmen stärker einbezogen werden. Für die Umsetzung des 10-Jahres-Plan stellt der Bundesrat 3,5 Millionen Franken bereit.

Bisherige Bemühungen reichen nicht aus

Beim vorgestellten Plan unerwähnt bleibt die Einschätzung der Experten über die bisherigen Massnahmen. Das BAG hatte eine Evaluation über den Aktionsplan 2012-2020 in Auftrag gegeben. Deren Fazit ist wenig schmeichelhaft. Die Umsetzung der Massnahmen seien wenig fortgeschritten, schreiben die Studienautoren.

Die Schwierigkeit beginnt damit, dass gar nicht klar ist, welche Gebäude radonbelastet sind. Laut Evaluation wurde in nur sechs Prozent aller Gebäude Messungen durchgeführt. Unklar ist auch, in welchen Fällen Sanierungen erfolgten. Detaillierte Zahlen sind nicht vorhanden. Gemäss Evaluation sind es aber gerade diese Massnahmen die für die Lösung des Radonproblems grosse Bedeutung hätten.