Diskriminierung und Gewalt
In der Schweiz gibt es mehr Angriffe auf LGBTQ-Menschen

In der Schweiz gibt es pro Woche fast zwei verbale oder physische Angriffe auf Transmenschen oder Homosexuelle. Gerade rund um die Abstimmung über die «Ehe für alle» gab es besonders viel LGBTQ-Feindlichkeit.

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Die «Ehe für alle» brachte der LGBT-Gemeinschaft zwar mehr Sichtbarkeit, aber nicht mehr Sicherheit.

Die «Ehe für alle» brachte der LGBT-Gemeinschaft zwar mehr Sichtbarkeit, aber nicht mehr Sicherheit.

Keystone

Hass, Gewalt und Diskriminierungen gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transmenschen (LGBT) nehmen in der Schweiz zu: Die LGBT+ Helpline verzeichnete im vergangenen Jahr 92 Meldungen zu so genannten «Hate Crimes». Das sind 50 Prozent mehr als im Vorjahr, wie die LGBT-Dachverbände am Dienstag zum Internationalen Tag gegen LGBTI-Feindlichkeit mitteilten. Insbesondere die Zahl an transfeindlichen Übergriffen sei gegenüber den Vorjahren stark gestiegen.

Auffallend: Fast die Hälfte der gemeldeten Fälle gehen auf die vier Monate der Abstimmungskampagne für die «Ehe für alle» zurück. Hier seien auch Heterosexuelle betroffen gewesen, die sich für ein Ja eingesetzt hätten, heisst es in der Mitteilung. So brachte die Abstimmung vor allem lesbischen, bisexuellen und schwulen Personen zwar mehr Sicherbarkeit, aber nicht mehr Sicherheit für die queere Gemeinschaft, konstatieren die Dachverbände.

45 Prozent der Betroffenen gaben an, dass sie aufgrund des Geschlechtsausdrucks diskriminiert worden seien. Zudem meldeten sich viele junge Menschen – auffällig sei die Häufung von Meldungen von Personen unter 22 Jahren. Mehr als die Hälfte erklärte, psychisch unter dem Vorfall zu leiden. Zwar fanden die meisten Übergriffe in der Öffentlichkeit statt, dennoch schaute die Zivilgesellschaft meistens weg und nur die wenigsten der gemeldeten «Hate Crimes» wurden angezeigt oder der Polizei gemeldet, wie es weiter heisst.

Dachverbände fordern nationale Erfassung der Vorfälle

Wie oft LGBT-Personen tatsächlich Opfer werden, ist unklar. «Noch immer ist die Dunkelziffer enorm hoch, nicht nur an Orten, wo die Community stärker sichtbar ist, wie etwa der Stadt Zürich, sondern auch auf dem Land», wird Pink-Cross-Geschäftsleiter Roman Heggli zitiert. «Repräsentative Daten kann einzig ein nationales Meldeverfahren gewährleisten.»

Für die Dachverbände ist daher klar: Ihre Forderung nach einer nationalen Erfassung sei aktueller denn je. Zudem rufen sie die Bevölkerung zu mehr Zivilcourage auf, wenn sie LGBTQ-feindliches Verhalten beobachten.

Die LGBT+ Helpline existiert seit 2016 und nimmt Meldungen zu LGBTQ-feindlichen «Hate Crimes» entgegen. Die Meldestelle hat das Ziel, die Situation in der Schweiz sicht- und messbar zu machen, da es fast keine offiziellen Erhebungen gibt. Einzig in der Stadt Zürich und im Kanton Freiburg werden seit 2021 Übergriffe regional erfasst. (abi)