Ein Meilenstein: In Dietikon wird die Energiezukunft getestet

Im Zürcherischen Dietikon wird im grossen Massstab erprobt, wie sich erneuerbare Energie speichern und damit die Energiewende meistern lassen. Am Freitagvormittag ist der Spatenstich zur ersten industriellen Power-to-Gas-Anlage in der Schweiz erfolgt.

Drucken
Teilen
Auf dem Areal des Limmattaler Regiowerks Limeco in Dietikon entsteht die bisher grösste Power-to-Gas-Anlage in der Schweiz.

Auf dem Areal des Limmattaler Regiowerks Limeco in Dietikon entsteht die bisher grösste Power-to-Gas-Anlage in der Schweiz.

HO

Beim offiziellen Baustart zum 14-Millionen-Projekt sind in Dietikon viele grosse Worte gefallen: Von einem «Leuchtturmprojekt», einem «Meilenstein» und einer «Schüsseltechnologie» war am Freitag unter anderem die Rede.

Das «Vorzeigeprojekt», das auf dem Areal des Limmattaler Regiowerks Limeco in Dietikon erstellt wird, gilt als bis anhin grösste Power-to-Gas-Anlage in der Schweiz. Sie soll aufzeigen, wie die Technologie, die bislang insbesondere im kleinen Massstab im Forschungsbetrieb erprobt wurde, industriell und wirtschaftlich betrieben werden kann.

Einzeller produzieren Methan

Die Anlage besteht aus einem Bioreaktor, in dem sogenannte Archaeen – einzellige Organismen – Wasserstoff und CO2 in Methan umwandeln. Dieses wird in das bestehende Erdgasnetz eingespiesen.

«Wir haben die perfekten Voraussetzungen, um grünes Gas zu produzieren», sagte Stefano Kunz (CVP), Limeco-Verwaltungsratspräsident und Schlieremer Bau- und Planungsvorstand. Denn die benötigten Zutaten sind vor Ort verfügbar: Der Wasserstoff wird mit erneuerbarem Strom aus der Limceo-Kehrichtverwertungsanlage hergestellt, das CO2 wird dem Klärgas der Abwasserreinigungsanlage entnommen. «Aus Abfall und Abwasser gewinnt Limeco so einen CO2-neutralen Energieträger», heisst es in einer Medienmitteilung vom Freitag.

Die Anlage soll im Winter 2021/22 in Betrieb gehen und jährlich rund 18'000 Kilowattstunden erneuerbares Gas liefern. Gemäss Limeco-Angaben führt dies zu einer CO2-Reduktion von 4000 bis 5000 Tonen pro Jahr, was dem Ausstoss von rund 2000 Haushalten entspricht.

Umbau des Schweizer Energiesystems

In der Schweiz soll gemäss Energiestrategie 2050 Strom aus der Kernkraft durch Solar-, Wasser- und Windkraft ersetzt werden. Damit im Sommer mehr Strom produziert als verbraucht wird. Im Winter, wenn der Energiebedarf grösser ist, muss die Schweiz Strom importieren.

Power-to-Gas sei eine Schlüsseltechnologie, um überschüssigen erneuerbaren Sommerstrom saisonal zu speichern, halten die Projektverantwortlichen fest. «Dank dem Projekt von Limeco können wir die Integration von Power-to-Gas-Anlagen ins Energiesystem testen», sagte SP-Nationalrat Eric Nussbaumer (BL) in Dietikon. So könnten Erkenntnisse gewonnen werden, welche Rahmenbedingungen nötig seien, damit derartige Anlagen künftig einen Beitrag zur saisonalen Speicherung leisten können.

Acht Energieversorger investieren in die Anlage

Finanziert wird die Power-to-Gas-Anlage, welche die Limeco bauen und betreiben wird, durch acht Schweizer Energieversorger. Eniwa AG, Energie Zürichsee Linth AG, St. Galler Stadtwerke, Energie Wasser Bern, Gas- und Wasserversorgung Dietikon, Gas- und Wasserversorgung Schlieren, SWL Energie AG und Industrielle Betriebe Interlaken kaufen Zertifikate für das produzierte Gas. Sie werden ab Winter 2021/22 ihren Kunden synthetisches erneuerbares Gas aus der Schweiz liefern.

Als Technologie- und Entwicklungspartner für die Anlage in Dietikon sind auch die Schmack Bioenergie GmbH (Viessmann Gruppe) und die Siemens Energy Schweiz AG an Bord. Mitinitiiert hat das Projekt die Stadtwerke-Allianz Swisspower. Das Bundesamt für Energie unterstützt es im Rahmen seines Pilot- und Demonstrationsprogramms.