Wegen Corona-Virus: Anleger suchen den Schweizer Franken – senkt die Nationalbank nun den Leitzins?

Das Corona-Virus hat negative Auswirkungen auf die Konjunktur und den Schweizer Franken. Der Vize-Präsident der Schweizerischen Nationalbank schliesst eine Senkung des Leitzinses nicht aus.

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Fritz Zurbrügg ist seit 2015 Vize-Präsident der Schweizerischen Nationalbank.

Fritz Zurbrügg ist seit 2015 Vize-Präsident der Schweizerischen Nationalbank.

Keystone (Archivbild)

(gb.) Das Corona-Virus hat nicht nur Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit und die Konjunktur, sondern auch auf den Schweizer Franken. Laut Fritz Zurbrügg, dem Vize-Präsidenten der Schweizer Nationalbank (SNB) könnte durch die Verbreitung des Virus der Franken aufgewertet werden. «Anleger suchen in Zeiten der Unsicherheit vermehrt sichere Häfen wie den Franken», sagte Zurbrügg in einem Interview mit der Zeitung Finanz und Wirtschaft (FUW).

Inflationsrisiko steigt

Das Virus breitet sich zu einem Zeitpunkt aus, in dem der Schweizer Franken alles andere als eine Aufwertung vertragen kann. Mit geringen Interventionen am Markt hätte die SNB eine Aufwertung des Frankens erst noch verhindern können, schreibt die Zeitung. Und auch die Prognosen für die Konjunktur hatten im Dezember noch positiv geklungen. Die SNB hat laut Zurbrügg zwar schon damals mit Risiken wie den internationalen Handelskonflikten und den Unsicherheiten im nahen Osten rechnen müssen. Doch für die Konjunktur hatte sie ein graduelles Wachstum prognostiziert. «Mit dem Corona-Virus ist nun ein globales, belastendes Element dazugekommen», so Zurbürgg.

Mit einem stärkeren Franken steigt zudem das Risiko einer Inflation. Dazu sagte Zurbrügg: «Weil die Schweiz als kleine, offene Volkswirtschaft so abhängig ist von internationalen Entwicklungen, vom Wechselkurs und von den Rohstoffpreisen, kann die Inflation hierzulande vorübergehend ins Negative fallen». Mit der Geldpolitik könne die SNB die Preisstabilität in der Schweiz gewährleisten. Auch wenn laut Zurbrügg beim aktuellen geldpolitischen Konzept keine Überprüfung anstehe, gebe es keine Gewähr für ein Belassen des Leitzinses auf dem momentanen Stand: «Sollten wir zum Schluss kommen, dass die monetären Bedingungen angepasst werden müssen, werden wir den SNB-Leitzins weiter senken», sagte er gegenüber der FUW. Dabei sei für die SNB aber nicht zentral, wie die sich Europäische Zentralbank verhalte, sondern wie die Aussichten für die Wirtschafts- und die Preisentwicklung in der Schweiz aussähen. Als die Geldpolitik im Ausland im letzten Jahr gelockert wurde, habe die Schweiz ihre monetären Bedingungen weiterhin für angemessen befunden.