«Grenzenlose Abschussmöglichkeiten»: Nein-Komitee bläst zum Halali auf das Jagdgesetz

Politiker aus dem linken Lager und der bürgerlichen Mitte starteten am Montag die Abstimmungskampagne gegen das revidierte Jagdgesetz. Ihre Hauptkritik: Dieses stelle einen Rückschritt beim Artenschutz dar.

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Naturschützer befürchten bei einem Ja zum Jagdgesetz am 27. September, dass unter anderem der Wolf in der Schweiz vom Jäger zum Gejagten wird.

Naturschützer befürchten bei einem Ja zum Jagdgesetz am 27. September, dass unter anderem der Wolf in der Schweiz vom Jäger zum Gejagten wird.

Keystone

(wap) Kantone sollen künftig unter anderem den Abschuss von Wölfen bewilligen können, wenn diese Nutztiere bedrohen. So sieht es das revidierte Jagdgesetz vor, über welches die Stimmberechtigten am 27. September entscheiden. Bis jetzt kann nur der Bund den Abschuss eines Wolfes bewilligen. Und dies nur dann, wenn er bereits Schaden angerichtet hat.

Am Montag nun startete das Nein-Komitee mit einer Pressekonferenz in Bern den Abstimmungskampf. «Das Gesetz lässt faktisch grenzenlose Abschussmöglichkeiten zu», kritisierte der Zürcher SP-Ständerat Daniel Jositsch laut Mitteilung. Wenn in Zukunft die Kantone die Abschussbewilligungen ausstellten, werde der Schutz bedrohter Arten grundsätzlich in Frage gestellt, da sich diese Tiere nicht an die Kantons- und Landesgrenzen halten würden.

Der Solothurner FDP-Nationalrat Kurt Fluri kritisierte, dass der Herdenschutz in den Schweizer Bergen immer noch in den Kinderschuhen stecke und sprach von «Nachlässigkeit und Unwissen». Die Bauernverbände nähmen hier ihre Aufgabe nicht war: «Statt sich für die Interessen der Älpler einzusetzen und den Herdenschutz wirklich auf allen Ebenen zu stärken, versuchen die Bauernverbände ein missratenes Jagdgesetz als Lösung zu verkaufen», wird Fluri zitiert.

Auch andere Tierarten betroffen

Zu Wort kamen auch Vertreter von Bergkantonen und der Jägerschaft. Der grüne Walliser Nationalrat Christophe Clivaz betonte: «Es geht hier nicht um die Bevölkerung der Städte gegen jene auf dem Land oder gegen die Jägerschaft.» Und Greta Gysin erinnerte daran, dass das Gesetz auch unter Jägerinnen und Jägern umstritten ist. Laut der Tessiner Nationalrätin der Grünen bringen Abschüsse geschützter Tiere und die Jagd auf bedrohte Arten vernünftige Jäger in Verruf. Die grünliberale Waadtländer Grossrätin Claire Richard kritisierte ausserdem, dass mit der Revision des Jagdgesetzes der Abschuss von Birkhahn und Schneehuhn erlaubt werde. Dabei handle es sich um Trophäenjagd.

Bei der Gesetzesrevision seien zu viele Sonderinteressen im Spiel gewesen, sagte schliesslich der Zürcher EVP-Nationalrat Nick Gugger laut Mitteilung. So seien etwa auch der Schutz der Segler- und Schwalbennester gestrichen worden. Und auch der Höckerschwan sei neu auf die Abschussliste gesetzt worden. Für ein verbessertes Jagdgesetz brauche es deshalb erst ein «Nein» an der Urne.