Alain Berset will Einschränkungen bei der freien Arztwahl

Jede Person in der Schweiz soll eine Erstberatungsstelle auswählen müssen, die über die weitere Behandlung bestimmt. Mit dieser und weiteren Massnahmen will der Bundesrat rund eine Milliarde Franken im Gesundheitswesen sparen.

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Auch Telemedizin-Anbieter würden als Erstberatungsstelle anerkannt.

Auch Telemedizin-Anbieter würden als Erstberatungsstelle anerkannt.

Keystone

(wap) Bundesrat Alain Berset hat am Mittwoch in Bern seine Pläne für Einsparungen im Gesundheitswesen vorgestellt. Nach Vorbild des Hausarzt-Modells sollen alle Menschen in der Schweiz eine Erstberatungsstelle wählen müssen, an die sie sich bei einem medizinischen Problem zu wenden hätten, bevor sie Fachärzte aufsuchen. So schlägt es der Bundesrat in einem Gesetzesentwurf vor, den er am Mittwoch als Gegenvorschlag zur Kostenbremse-Initiative der CVP in Vernehmlassung gegeben hat. Bereits heute hätten eine Mehrheit der Versicherten das Hausarztmodell oder ein ähnliches System freiwillig gewählt, sagte Bundesrat Alain Berset an einer Pressekonferenz in Bern. Nun soll die Regelung für alle gelten.

Als Erstberatungsstellen kämen neben dem Hausarzt auch Praxisgemeinschaften oder telemedizinische Zentren in Frage. Ausgeschlossen wäre hingegen, dass sich Patienten auf eigene Faust von mehreren Spezialisten untersuchen lassen können. Die weitere Versorgung soll nach dem Willen des Bundesrates ebenfalls koordiniert werden. Fachleute aus verschiedenen Gesundheitsberufen sollen sich zu Netzwerken zusammenschliessen und Dienste koordiniert anbieten.

Medikamentenzulassungen werden Geheimsache

Mit den Massnahmen will der Bundesrat der Kostenbremse-Initiative der CVP zuvorkommen. Ziel des Bundesrates sei es, die von der Initiative angestrebten Kostensenkungen zu erreichen, ohne die medizinische Versorgung rationieren zu müssen, sagte Berset vor den Medien. Insgesamt sollen die Kosten um eine Milliarde Franken gesenkt werden.

Eine weitere Neuerung sieht der Gegenvorschlag des Bundesrats bei der Zulassung von hochpreisigen Medikamenten vor. Die Beurteilung der Medikamente soll künftig geheim gehalten werden: Sie würde vom Öffentlichkeitsprinzip ausgenommen, so Alain Berset. Dies sei eine ungute Entwicklung, entspreche aber einer Forderung der Pharmaindustrie. «Wenn wir dies nicht umsetzen, werden sie gewisse Medikamente nicht mehr in der Schweiz auf den Markt bringen», sagte der Gesundheitsminister. Die Versorgung der Patienten in der Schweiz habe für den Bundesrat erste Priorität. Die Schweiz werde sich auf internationaler Ebene für mehr Transparenz stark machen, sagte Berset weiter.

Auch im Bereich der Krankenpflegeversicherung will der Bundesrat künftig genauer auf die Kosten schauen. Hier sollen Bund und Kantone eine jährliche Zielvorgabe einführen, die festlegt, wie stark die Kosten bei Spitalbehandlungen, ambulanten Arztbesuchen oder Arzneimitteln steigen dürfen.