Bildung
Hochschulen setzen Zertifikatspflicht ungenügend um

Studierende geniessen seit diesem Semester vielerorts wieder die Vorzüge des Präsenzunterrichts. Allerdings werden die Vorgaben des Bundes nicht nach Vorschrift umgesetzt.

Chiara Stäheli
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Im März 2018 war der Präsenzunterricht normal. Studenten an der Uni St. Gallen können seit diesem Semester dank Zertifikat wieder an die Vorlesungen.

Im März 2018 war der Präsenzunterricht normal. Studenten an der Uni St. Gallen können seit diesem Semester dank Zertifikat wieder an die Vorlesungen.

Christian Beutler / KEYSTONE

Hebelt die Zertifikatspflicht an Universitäten und Hochschulen das Recht auf Bildung für alle aus? Oder ist sie aufgrund der ungewohnten Lage zulässig? Viele Schweizer Hochschulen fühlen sich im Umgang mit der Zertifikatspflicht im Recht. An beinahe allen Universitäten und Hochschulen in der Schweiz gilt diese seit Beginn des Semesters.

Eine Ausnahme bildet dabei die Universität Lugano. Diese setzt auf die vom Bund ebenfalls vorgeschlagene Zwei-Drittel-Regel. Das heisst, die Hörsäle und Seminarräume dürfen zu maximal zwei Dritteln ausgelastet sein. Rektor Boas Erez begründet den Entscheid in einem Schreiben an alle Studierenden unter anderem damit, dass «systematische Kontrollen schwierig und aufwendig» seien.

Zertifikat gilt nur für den Unibesuch

An der Uni Bern hingegen darf die Vorlesungen und Seminare nur besuchen, wer geimpft, negativ getestet oder genesen ist. Auf Anfrage teilt die Universität Bern mit, dass der Lerninhalt «in adäquater Form online zur Verfügung gestellt» werde. Dies sei aus rechtlichen Gründen zwingend. Doch es gibt auch Veranstaltungen mit Präsenzpflicht, wie beispielsweise Seminare oder Übungen, die online nicht durchführbar sind. Für diese Veranstaltungen müssen die Studierenden über ein Zertifikat verfügen. Wer dafür getestet werden muss, kann dies kostenlos tun und erhält dafür ein Zertifikat, das allerdings nur für die Universität Bern gültig ist.

Ähnlich handhabt die Universität St. Gallen die Zertifikatspflicht. Dort gilt die Vorgabe, dass es für alle Studierenden möglich sein muss, einen Kurs erfolgreich zu absolvieren, auch wenn sie nicht physisch anwesend sind. Auf dem Campus steht zudem allen Studierenden eine kostenlose Testmöglichkeit zur Verfügung.

In Luzern werden Vorlesungen erst ab 100 Personen aufgezeichnet

An der Universität Luzern finden die Präsenzveranstaltungen ebenfalls nur mit Zertifikatspflicht statt. Zudem gilt ein Konsumationsverbot. Bei Lehrveranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmenden stellt die Universität ein digitales Angebot zur Verfügung. Bei allen anderen Vorlesungen wird dies nicht gemacht. Bei Personen, «die aus medizinischen Gründen nicht an Präsenzveranstaltungen teilnehmen können», seien individuelle Lösungen zu suchen, schreibt die Universität.

An der ETH haben die Studierenden die Möglichkeit, praktisch alle Veranstaltungen online zu besuchen, wie Rektorin Sarah Springman sagt.

An der ETH haben die Studierenden die Möglichkeit, praktisch alle Veranstaltungen online zu besuchen, wie Rektorin Sarah Springman sagt.

Severin Bigler / SON

Auch an der ETH dürfen die Studierenden Präsenzveranstaltungen sowie die Bibliotheken nur besuchen, wenn sie über ein Zertifikat verfügen. ETH-Rektorin Sarah Springmann sagt:

«Wer sich nicht impfen oder testen lassen will, hat aber die Möglichkeit, praktisch alle Veranstaltungen online zu besuchen.»

Bund kritisiert Umsetzung der Zertifikatspflicht

Kontrolliert wird die Zertifikatspflicht sowohl an den Universitäten Bern, St. Gallen und Luzern als auch an der ETH Zürich mit Stichproben. Dies entspricht allerdings nicht der Vorgabe des Bundesamts für Gesundheit, wie dieses auf Anfrage mitteilt: «Eine lediglich stichprobenweise Überprüfung scheint uns nicht zu genügen.» Dann bestünden nämlich keine Einschränkungen, ausser dass ein Schutzkonzept erarbeitet und umgesetzt werden müsse. Das BAG macht klar:

«Kann die Zertifikatspflicht nicht oder nur stichprobeweise kontrolliert werden, besteht eine Maskenpflicht und die Räume dürfen maximal zu zwei Dritteln der Kapazität besetzt werden.»

Die Verantwortung liege letztlich bei den Institutionen, für die Umsetzung seien die Kantone zuständig.

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