Infektiologe des Universitätsspitals Basel: «Eine zweite Corona-Welle ist weiterhin möglich»

Der Infektiologe Andreas Widmer befürchtet, dass wir uns in einer trügerischen Sicherheit wähnen. Eine zweite Corona-Welle sei durchaus möglich. Er findet, im Büro müsste auch eine Maskenpflicht gelten.

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Andreas Widmer ist stellvertretender Chefarzt und Leiter der Abteilung für Spitalhygiene am Universitätsspital Basel.

Andreas Widmer ist stellvertretender Chefarzt und Leiter der Abteilung für Spitalhygiene am Universitätsspital Basel.

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(dpo) «Momentan haben wir die Lage im Griff», sagt Professor Andreas Widmer vom Unispital Basel gegenüber der «NZZ» am Samstag. Allerdings befürchtet der Infektiologe, dass es sich dabei um eine trügerische Sicherheit handle.

Er sei «diametral anderer Meinung» als der Epidemiologe Marcel Salathé. Letzterer sagte in einem Interview Ende September, dass die aktuelle Situation um das Coronavirus «wirklich, wirklich gut» aussehe. «Ich bin keineswegs der Ansicht, dass die Schweiz bereits aufatmen kann. Eine zweite Corona-Welle ist weiterhin möglich», so Andreas Widmer. Dies wäre für die Schweiz verheerend.

Maskenpflicht im Büro

Widmer begründet seine Einschätzung damit, dass die Grippesaison noch nicht da sei. Zudem seien wieder Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern erlaubt. Das Problem seien nicht die Veranstaltungen an sich, sondern dass sich die Menschen bei der An- und Abreise nahe kommen, so der Mediziner. Zudem würden sich die Fans auch bei anderen Gelegenheiten wohl nicht so diszipliniert verhalten, etwa wenn ein unerwarteter Sieg gefeiert wird. «Die Vorstellung, dass sich bis zu 300 Leute gleichzeitig mit Covid-19 anstecken, bereitet mir grosse Sorgen», sagt Widmer.

Weiter befürwortet der Infektiologe, dass auch im Büro eine Maskenpflicht eingeführt werden soll, wenn der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann.

Abgang von Stefan Kuster sei ein «grosser Rückschritt»

Den Rücktritt von «Mister Corona» Stefan Kuster, derzeit Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten beim BAG, hält Andreas Widmer für einen «grossen Rückschritt». Stefan Kuster verfüge über eine «sensationell gute Ausbildung», so der Professor vom Unispital Basel. Kuster sei Infektiologe und verfüge über einen Master of Business Administration. Er könne demnach besser als die meisten Mediziner einschätzen, welche wirtschaftlichen Folgen eine Entscheidung habe, sagt Widmer. Kusters Kommunikationspannen seien zwar nicht optimal gewesen, doch sie hätten laut Widmer auch von den Mitarbeitern besser geprüft werden müssen.