Schweizer Luftwaffe
F-35A: Bundesrat entscheidet sich für umstrittenen US-Kampfjet

Nun ist es offiziell: Der neue Kampfjet der Schweiz kommt aus den USA. Das Rennen macht der F-35A von Lockheed Martin. Er hatte in der Evaluation deutlich die Nase vorn. Linker Widerstand ist dem Bundesrat damit gewiss.

Reto Wattenhofer
Drucken
Teilen
Er machte das Rennen: Der F-35A von Lockheed Martin soll neu im Dienste der Schweizer Luftwaffe fliegen.

Er machte das Rennen: Der F-35A von Lockheed Martin soll neu im Dienste der Schweizer Luftwaffe fliegen.

Keystone

Letzten September hatte sich die Stimmbevölkerung für den Kauf neuer Kampfjets ausgesprochen. Die Zustimmung war jedoch hauchdünn: Am Ende machten 8000 Stimmen den Unterschied. Der Typ und die Zahl der Jets sollte der Bundesrat bestimmen. Dadurch sollte dem Geschäft nicht das gleiche Schicksal widerfahren wie dem Gripen, der 2014 an der Urne abstürzte.

Nun hat der Bundesrat am Mittwoch den mit Hochspannung erwarteten Typenentscheid gefällt. Die Schweiz wird 36 Flugzeuge des F-35A von Lockheed Martin kaufen. Kostenpunkt: fünf Milliarden Franken. Damit liegt der Kaufpreis im Rahmen des Kostendaches von sechs Milliarden Franken.

Der Entscheid kommt insofern nicht überraschend, als dass im Vorfeld bereits durchgesickert war, dass der F-35A die Schweizer Ausmarchung klar gewonnen habe. Die Beschaffung wird der Bundesrat dem Parlament mit der Armeebotschaft 2022 vorlegen. National- und Ständerat können zwar an den Kosten schrauben, den Typenentscheid aber nicht umstossen.

Klarer Sieger der Evaluation

Zur Auswahl standen die vier Flugzeuge Rafale (Dassault, Frankreich), Eurofighter (Airbus, Deutschland) und die US-Jets F/A 18 Super Hornet (Boeing) und F-35A (Lockheed Martin). Das Bundesamt für Rüstung Armasuisse holte Offerten ein, bewertete sie nach Kriterien wie Leistung, Kosten, Industriebeteiligung und legte Verteidigungsministerin Viola Amherd einen Bericht vor.

In der Evaluation habe der Kampfjet den höchsten Gesamtnutzen erzielt und bei drei von vier Kriterien obenaus geschwungen, erklärte Verteidigungsministerin Viola Amherd vor den Medien in Bern. «Es war ein sehr deutliches Ergebnis.» Aus Sicht des Bundesrates sei es das beste Flugzeug für die Schweiz.

Amherd widersprach den Aussagen im Vorfeld, der Bundesrat könne sich über die Evaluation hinwegsetzen. «Es bestand kein Spielraum für politische Entscheidungen.» Aussenpolitische Aspekte hätten nur bei gleichwertigen Angeboten eine Rolle spielen dürfen. Beobachter hatten gemutmasst, der Bundesrat könnte eine europäische Lösung bevorzugen, um die Nachbarn nach dem Scheitern des Rahmenabkommens etwas milder zu stimmen.

Technologievorsprung

Der grosse Vorsprung bei der Evaluation war auch dem Umstand zu verdanken, dass der F-35A als einziger der vier Kampfjets zur fünften Generation gehört. Bei der vorgesehenen Nutzungsdauer von 30 Jahren sei der Technologievorsprung ein «grosser Vorteil» für die Zukunft, argumentiert der Bundesrat.

Auch preislich war der US-Jet unschlagbar. Gemäss Evaluation ist er das mit Abstand günstigste Flugzeug. Bei den Gesamtkosten sei er rund zwei Milliarden preiswerter als der zweitgünstigste Kandidat. «Wir wollen keine Steuergelder verschleudern», betonte Amherd. Einzig beim direkten Offset – also welcher Anteil des Vertragsvolumens durch Aufträge in der Schweiz kompensiert werden muss – erreichte Lockheed Martin nicht das beste Resultat.

Bei US-Streitkräften auf dem Prüfstand

Der F-35A ist das modernste Flugzeug im Rennen, aber er steht ausgerechnet bei den US-Streitkräften massiv in der Kritik, weil er pannenanfällig und teuer im Unterhalt sei. Das Triebwerk zeige sehr frühe Verschleisserscheinungen. Der hoch entwickelte Jet gilt gemäss Beobachtern andererseits für die Schweiz mit ihren Luftpolizeieinsätzen mit einem Triebwerk als untermotorisiert. Für Luftpolizeieinsätze sei es wichtig, möglichst schnell «oben» zu sein, und da schneide der Tarnkappen-Jet schlecht ab.

Nach dem Entscheid des Bundesrates ist der politische Showdown mit den Kamfjetkritikern eröffnet. SP, Grüne und die Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA) kündigten eine Volksinitiative an, um den Kauf eines US-Jets zu verhindern. Sie kritisieren vor allem, dass die Datensicherheit für die Schweiz nicht gewährleistet sei. Auch habe das Volk sich gegen einen «Ferrari in der Luft» ausgesprochen.

Datenautonomie garantiert

Gelassen zeigte sich Verteidigungsministerin Amherd. Die Bevölkerung könne selbst entscheiden, was sie wolle und müsse dann auch die Konsequenzen tragen. Die Bundesrätin trat auch dem Vorwurf entgegen, sich für einen Luxus-Jet entschieden zu haben. «Wir hätten keinen Ferrari gekauft, wenn es ein VW auch tun würde.»

Nach Ansicht des Bundesrates ist auch beim F-35A die Datenautonomie gewährleistet. Die Schweiz bestimme selbst, welche Daten sie über Datenlinkverbindungen mit anderen Luftwaffen austauscht oder welche logistische Daten an den Hersteller zurückgemeldet würden. Betrieb und Wartung des Flugzeugs erfolge in der Schweiz durch die Luftwaffe und die Ruag Schweiz.

Bodluv-Auftrag geht auch nach Übersee

Europa zog nicht nur bei den Kampfjets den Kürzeren, sondern auch bei der bodengestützten Luftverteidigung grösserer Reichweite (Bodluv). Der Bundesrat beantragte am Mittwoch dem Parlament, fünf Feuereinheiten des Typs Patriot des US-Herstellers Raytheon zu beschaffen. Evaluiert worden war auch ein Angebot des französischen Herstellers Eurosam.

Aktuelle Nachrichten