KindEsmisshandlung
Trauriger Rekord: Wegen Pandemie mehr Kinder misshandelt

Die Kinderschutzgruppe des Universitäts-Kinderspitals Zürich hat im vergangenen Jahr 592 Verdachtsfälle von Kindesmisshandlungen bearbeitet – so viele wie noch nie.

Drucken
Teilen
Die Zahl der misshandelten Kinder hat 2020 zugenommen. (Symbolbild)

Die Zahl der misshandelten Kinder hat 2020 zugenommen. (Symbolbild)

Keystone

(abi) Die Bilanz 2020 der Kinderschutzgruppe des Universitätsspitals Zürich fällt ernüchternd aus: Insgesamt hat sie 592 Verdachtsfälle von Kindesmisshandlungen bearbeitet. Das seien 48 mehr als im Vorjahr und so viele wie noch nie, teilte das Kinderspital am Donnerstag mit. Dabei dürfte es sich aber nur um die Spitze des Eisberges handeln: Der grosse Teil der Misshandlungen bleibe verborgen, heisst es weiter.

Bei 397 Fällen bestätigte sich eine Misshandlung. Bei 168 Kindern blieb der Verdacht bestehen, konnte aber nicht nachgewiesen werden, wie es weiter heisst. Diese werden nun engmaschig kontrolliert. In weiteren 27 Fällen stellte sich heraus, dass die Symptome medizinisch erklärbar waren. Gemäss Kinderspital wurden die meisten misshandelten Kinder, die von ihnen betreut werden, Opfer von körperlicher (193 Fälle) und sexueller Gewalt (185 Fälle).

Homeoffice führt zu Stress und Konflikten

Überraschend sei die besorgniserregende Entwicklung nicht, da verschiedene Beratungs- und Opferhilfestellen bereits unter dem Jahr über eine Zunahme der Fälle berichtet hätten. Als Grund vermuten die Experten die Pandemie: Wegen des Lockdowns, Homeoffice und vorübergehenden Schulschliessungen habe es mehr Stress und Konflikte in einigen Familien gegeben. Zudem seien mehr Eltern auf sich alleine gestellt gewesen und hätten allenfalls zusätzliche finanzielle Sorgen.

Ein anderer Erklärungsversuch für die Zunahme der Fälle ist, dass viele Menschen durch das Homeoffice intensiveren Kontakt zu ihrer Nachbarschaft haben und so mehr mitbekommen. Demnach würde es nicht mehr Misshandlungen geben, unbeteiligte Menschen aber mehr hinschauen und mögliche Misshandlungen eher den Behörden melden, heisst es weiter.

Aktuelle Nachrichten