Kleinbauern wollen mehr Strukturvielfalt und Biodiversität

Die Agrarpolitik 2022 des Bundes soll keine Anreize für Flächenwachstum und Betriebsspezialisierungen bieten, fordert die Kleinbauernvereinigung. Vielfältige Strukturen seien gerade in Krisen resistenter.

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Kleine, vielfältige Felder und viele Menschen, die mithelfen: So stellt sich die Kleinbauernvereinigung die Zukunft der Landwirtschaft vor. (Symbolbild)

Kleine, vielfältige Felder und viele Menschen, die mithelfen: So stellt sich die Kleinbauernvereinigung die Zukunft der Landwirtschaft vor. (Symbolbild)

Keystone

(wap/sat) Die Coronakrise habe gezeigt, dass eine vielfältige, kleinräumige und konsumentennahe Landwirtschaft in Krisensituationen gut aufgestellt ist. Dies ist das Fazit der Kleinbauern-Vereinigung, die am Montag an einem Mediengespräch in Bern ihre Position zur Agrarpolitik 2022 des Bundes darlegte. Diese nun deutlich gewordene Krisenresistenz stehe im Widerspruch zur offiziellen Agrarpolitik, die seit Jahren auf Effizienz und Wachstum fokussiere, schreibt die Kleinbauern-Vereinigung in einer gleichzeitig publizierten Mitteilung. Auch sei in der Agrarpolitik 2022 die Biodiversität in der Landwirtschaft – das heisst die Vielfalt im Anbau – kein Thema, kritisiert die Kleinbauern-Vereinigung. Sie verweist dabei auf zwei hängige Motionen von Nationalrat Kilian Baumann.

In diesen fordert der Berner Grüne vom Bundesrat Antworten dazu, wie sich die Agrarpolitik auf die kleinen, wenig spezialisierten Betriebe auswirkt. Dabei bringt er auch eine Obergrenze für Direktzahlungen ins Spiel. Hintergrund ist eine Änderung in der Agrarpolitik 2022. Diese will die zuvor abgeschwächte Abstufung und Deckelung der Direktzahlungen wieder einführen, allerdings wären nur sehr wenige Betriebe von der Obergrenze für Direktzahlungen betroffen. Die Kleinbauern befürchten, dass so weiterhin grosse, auf Effizienz und Spezialisierung fokussierte Betriebe im Vorteil sind.

Vielfältige Betriebe mit kurzen Wegen werden geschätzt

Die Kleinbauernvereinigung will dagegen, dass Strukturvielfalt auch auf rechtlicher Ebene als Wert anerkannt wird. Anreize für Flächenwachstum und Betriebspezialisierungen lehnt sie ab. In der Coronakrise habe sich gezeigt, dass gerade spezialisierte Betriebe mit Mästereien und Monokulturen schnell staatliche Hilfe benötigt hätten. Vielfältige lokale Betriebe mit kurzen Vertriebswegen dagegen seien von der Bevölkerung gerade in der Krise geschätzt worden. Dem müsse die Politik nun Rechnung tragen.

Die Kleinbauernvereinigung ist 1980 durch den Aargauer Bauern René Hochuli und 200 weitere Landwirtinnen und Landwirte gegründet worden. Drei Jahre später reichte sie die erste Kleinbauern-Initiative ein. 1989 übernahmen Nationalrat Ruedi Baumann (Grüne/BE) – der Vater von Kilian Baumann – und Alois Rölli das Co-Präsidium. 1992 war die Kleinbauern-Vereinigung bei der Bauern- und Konsumenteninitiative dabei. Im Jahr darauf lancierte sie die zweite Kleinbauern-Initiative. Die Kleinbauern-Vereinigung versteht sich nicht nur als Sprachrohr der Landwirte sondern auch als Konsumentenorganisation. Aktuelle Präsidentin ist Regula Fuhrer, SP-Grossrätin im Kanton Bern und ehemalige Bio-Suisse-Präsidentin.