Krankenkassen
Berset zum drohenden Prämienschock: «Spielraum des Bundesrats erschöpft»

Angesichts steigender Gesundheitskosten attackiert Bundesrat Alain Berset Ärzteschaft und Krankenkassen. Auch das Parlament müsse nun Verantwortung übernehmen, so der Gesundheitsminister.

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Bundesrat Alain Berset wirft Krankassen- und Ärzteverbänden Partikularinteressen vor. (Archivbild)

Bundesrat Alain Berset wirft Krankassen- und Ärzteverbänden Partikularinteressen vor. (Archivbild)

Keystone

Bundesrat Alain Berset rechnet damit, dass die Krankenkassenprämien in diesem Herbst weiter steigen werden. «Wir stellen nach zwei Jahren Pandemie einen Anstieg der Kosten fest – und das wird sich in der Folge auf die Prämien auswirken», sagte der Gesundheitsminister in einem am Freitag erschienen Interview mit der «NZZ.»

Prognosen, wonach der Anstieg bis zu zehn Prozent betragen könnte, erteilte er allerdings eine Absage: «Das sind Spekulationen.» Der Vergleichsdienst Comparis hatte Anfang Mai einen Prämienschock prognostiziert. Demnach sollen die Prämien durchschnittlich um fünf Prozent steigen.

In der Vergangenheit sei es dem Bundesrat gelungen, das Kostenwachstum etwas abzubremsen. So seien dank dem Ärztetarif Tarmed jährlich etwa 500 Millionen Franken eingespart worden. Viel mehr könne die Regierung aber nicht mehr tun, so Berset: «Der Spielraum des Bundesrates ist damit ziemlich erschöpft.» Verantwortlich für die Situation sei auch das Parlament. «Von unserem Vorhaben, auch bei Generika-Medikamenten die Preise zu senken, ist praktisch nichts übrig geblieben», bemängelt er.

«Jeder schaut nur für sich»

Kritik äussert er auch an den Branchenverbänden Santésuisse und Curafutura. Bei diesen bestehe «selten Einigkeit für wichtige Reformen». Auch die Zusammenarbeit mit dem Ärzteverband FMH sei «schon besser» gewesen. Deren Präsidentin Yvonne Gilli wirft Berset eine «konfrontative Politik» vor. Die FMH merke, dass der Druck steige und versuche, für die Ärzte das Maximum herauszuholen.

Dies entspreche einer generellen Entwicklung des Gesundheitswesens. Die Präsenz von immer mehr Akteuren mit jeweils unterschiedlichen Interessen habe zu einer Atomisierung geführt. Dabei würden Reformprojekte aus Eigeninteresse blockiert. «Man deckt sich gegenseitig», so Bersets Vorwurf: «Es gibt fast niemanden mehr, der sich für das grosse Ganze verantwortlich fühlt, jeder schaut nur für sich.» (wap)

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