Krankenkassen und Ärzte einigen sich auf Fallpauschalen für ambulante Eingriffe

Ambulante, operative Eingriffe sollen künftig nicht mehr über Einzeltarife abgerechnet werden, sondern über Fallpauschalen. Ein Durchbruch, sagen Santésuisse und FMH, Dachverband der chirurgischen Fachgesellschaften.

Lucien Fluri
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Einigung zwischen Santésuisse und FMH.

Einigung zwischen Santésuisse und FMH.

Bild: Keystone

«Erstmals seit über 20 Jahren ist es geglückt, einen neuartigen Tarif zu erarbeiten, hinter dem alle beteiligten Tarifpartner stehen», schreiben die beiden Verbände in einer am Freitag verschickten Mitteilung. Zuvor hatten sie zwei Jahre lang verhandelt. Künftig sollen ambulante operative Eingriffe nicht mehr über Einzeltarife abgerechnet werden, sondern über Fallpauschalen, wie es sie bereits bei stationären Spitaleingriffen gibt.

Bisher haben sich die beiden Tarifpartner in sechs Bereichen geeinigt: Handchirurgie, Radiologie, Kinderchirurgie, Gefässmedizin, Anästhesie und Augenchirurgie. Damit können 67 Operationen und Behandlungen mit ambulanten Pauschalen abgerechnet werden. Bei weiteren Eingriffen soll noch über die Pauschalen verhandelt werden, bei gewissen Abrechnungen komme man aber auch weiterhin nicht um den Einzelleistungstarif herum. Das bisherige Vertragswerk wird nun dem Bundesrat unterbreitet.

Mit dem System sinke der administrative Aufwand für die Krankenkassen, sagte Santésuisse-Direktorin Verena Nold am Freitag vor den Medien. Heute könne eine Rechnung etwa 50 unterschiedliche Punkte umfassen, die von den Kassen überprüft werden müssen. Die Bandbreite der Abrechnungen sei zwischen den Ärzten sehr gross. Künftig wird es nur noch die Pauschale geben. Für die Patienten sollen die Rechnungen damit ebenfalls einfacher nachvollziehbar werden.

Für die Ärzte sei die Vergütung fair, so FMCH-Präsident Josef E. Brandenberg. Die Pauschalen unterscheiden sich von Kanton zu Kanton, je nachdem ob Löhne und Mieten höher oder niedriger sind. Grundlage ist der Durchschnittstaxpunktwert.

Santésuisse und FMCH hoffen, dass weitere Tarifpartner sich der Lösung anschliessen. Ebenfalls zur Prüfung hängig ist beim Bundesrat ein neuer Ärztetarif für Einzelleistungen, den der andere grosse Krankenkassendachverband, Curafutura, ausgearbeitet hat. Dieser Lösung wollte sich Santésuisse nicht anschliessen.

Grundsätzlich begrüsse man den eingeschlagenen Weg, heisst es beim Spitalverband H+. Immerhin konnten sich die lange zerstrittenen Tarifpartner auf eine Erneuerung des Abrechnungssystems einigen. Dies ist nicht unerheblich: Auch weil dies bisher nicht gelang, plant der Bundesrat neue Regulierungen: Bereits am Montag debattiert der Nationalrat über ein Kostendämpfungspaket, das ambulante Fallpauschalen und ein nationales Tarifbüro zur Überarbeitung des veralteten Abrechnungssystems Tarmed vorsieht. Pius Zängerle, Direktor von Curafutura, dem anderen Krankenversichererverband, begrüsst vor diesem Hintergrund «die wieder funktionierende Tarifpartnerschaft», auch um eine grössere Einmischung des Bundes zu verhindern. Man werde die ambulanten Fallpauschalen bei Curafutura prüfen, sagt er. Letztlich aber müssten die angeschlossenen Krankenkassen entscheiden, «ob diese attraktiv sind».