Landesausstellung
159 Tage für die Ewigkeit: Die Expo.02 feiert Jubiläum

Grund zur Feier: Am Samstag jährt sich die Eröffnung der Expo.02 bereits zum 20. Mal. Hans Stöckli erlebte an der letzten Landesausstellung mitunter «die schönsten Tage» seines Lebens. Und der «Mister Expo» sagt, welche Errungenschaften von damals überdauern.

Dario Pollice
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Der damalige Bieler Stadtpräsident Hans Stöckli zeigt Fürst Hans-Adam II. von Liechtenstein und dem Schweizer Bundespräsidenten Kaspar Villiger (v.l.) die Expo.02. (Archivbild)

Der damalige Bieler Stadtpräsident Hans Stöckli zeigt Fürst Hans-Adam II. von Liechtenstein und dem Schweizer Bundespräsidenten Kaspar Villiger (v.l.) die Expo.02. (Archivbild)

Keystone

Die Schweizer Landesausstellung ist so etwas wie der Pulsmesser der Nation. Im Vierteljahrhundert-Takt bildet die Expo die Schweizer Kultur, Politik und Wirtschaft als Momentaufnahme der Epoche ab. Gleichzeitig blicken Landesausstellungen jeweils auch nach vorne; sie wollen Impulse für die Zukunft geben und laden die Bevölkerung zum Diskutieren ein.

Viele hierzulande dürften sich noch bestens an die letzte Landesausstellung erinnern, die Expo.02 im Seeland. Am Samstag jährt sich die Eröffnung der ersten Schweizerischen Landesausstellung im neuen Jahrtausend bereits zum zwanzigsten Mal.

10,3 Millionen Menschen besuchten die Expo.02

Mit 10,3 Millionen Besuchern in 159 Tagen war die Ausstellung ein grosser Publikumserfolg. Doch zu Beginn deutete nichts auf diesen Erfolg hin: Das Projekt hing am seidenen Faden und drohte mehrere Male abzustürzen. Die Diskussionen um eine sechste Landesausstellung begannen bereits Ende der 1980er-Jahre. Ehe sie 2002 stattfinden konnte, wurde sie dreimal verschoben. Zudem gaben bei den Verantwortlichen mehrere personelle Abgänge zu reden – wie derjenige der künstlerischen Leiterin Pipilotti Rist.

Der Monolith, Wahrzeichen der Arteplage Murten, wog fast 4000 Tonnen. Entworfen wurde er vom Pariser Architekten Jean Nouvel.
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Die Arteplage Yverdon-les-Bains mit der schwebenden Wolke. Für diese brauchte es 31’400 Düsen, aus denen Seewasser gesprüht wurde.
Beim Ausstellungspavillon «Geld und Wert-Das letzte Tabu» bedeckte die Nationalbank 1730 Quadratmeter mit je 150 Goldfolien – total ergab das 2-3 Kilo des Edelmetalls.
Blickfang der Arteplage Neuenburg waren die riesigen, schiefersteinförmigen Dächer, die wie drei UFOs wirkten.
Natur und Künstlichkeit: Damit beschäftigte sich die Ausstellung «Manna».
Besucherinnen und Besucher stehen Schlange vor der Ausstellung «Leben, Lust und Lohn» auf der Arteplage in Biel.
Die Arteplage Biel-Bienne mit den drei Klangtürmen im Hintergrund.
Der Bund thematisierte im «Palais de l’Equilibre», einer ganz aus Holz gefertigten Kugel, die nachhaltige Entwicklung.
Die Arteplage Jura war eine ehemalige Kiesbarke, die als «Piratenschiff» zwischen den anderen Arteplagen verkehrte.
Der damalige Gesamtbundesrat bei der Eröffnung der Expo: Samuel Schmid, Pascal Couchepin, Ruth Metzler, Moritz Leuenberger, Kaspar Villiger, Ruth Dreifuss, Joseph Deiss und Bundeskanzlerin Annemarie Huber (v.l.).
Rund 2500 tropfende Wasserschläuche bildeten den Wasserwald der Ausstellung «Aua extrema».
Die Ausstellung «Oui!» auf der Arteplage Yverdon-les-Bains.

Der Monolith, Wahrzeichen der Arteplage Murten, wog fast 4000 Tonnen. Entworfen wurde er vom Pariser Architekten Jean Nouvel.

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Die finanzielle Sicherung der Landesausstellung stand ebenfalls auf der Kippe. Mehrere Male musste das Budget wegen Kostenüberschreitungen aufgestockt werden. Letztlich wendete der Bund mit 1 Milliarde Franken rund zehn Mal mehr Geld dafür auf als ursprünglich vorgesehen war.

20 Jahre später ist aber von der turbulenten Geschichte der Expo.02 kaum mehr die Rede. Heute erinnert man sich vor allem an ein grosses Volksfest im Drei-Seen-Land und an die vier Arteplages: die markanten Ausstellungsgelände an den Ufern des Neuenburger-, Bieler- und Murtensees sowie das «Piratenschiff» – die mobile Arteplage des Kantons Jura.

Expo.02 lebt noch einmal hoch

Anlässlich des Jubiläums findet am Samstag in Biel eine Feier statt, an der die Expo.02 unter anderem mit Filmvorführungen und der Vernissage der Wanderausstellung «Die Schweizerischen Landesausstellungen» noch einmal gewürdigt werden soll. Gefeiert wird dabei im «Das Zelt», das einzige noch existierende Projekt der damaligen Expo. Dieses steht aktuell wieder auf dem ehemaligen Expo-Gelände in Biel am See.

«Mister Expo» Hans Stöckli politisiert inzwischen im Bundeshaus als Ständerat (SP/BE)

«Mister Expo» Hans Stöckli politisiert inzwischen im Bundeshaus als Ständerat (SP/BE)

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In der vordersten Reihe mit dabei sein wird auch der ehemalige Bieler Stadtpräsident Hans Stöckli. Neben dem im Oktober 2021 verstorbenen damaligen künstlerischen Direktor Martin Heller nahm ihn die Öffentlichkeit als «Mister Expo» wahr, als Gesicht der Landesausstellung. In seiner Doppelrolle als Stadtpräsident und Mitglied des Expo-Leitungsausschusses hat der aktuelle Berner Ständerat denn auch massgeblich dazu beigetragen, dass der Grossanlass schliesslich doch noch ein Erfolg wurde.

«Expo-Tage gehören zu den schönsten meines Lebens»

Im Gespräch mit CH Media erinnert sich Hans Stöckli, das Projekt habe nicht immer nur unter einem guten Stern gestanden. 1998/99 war sogar die Rede vom Abbruch der Expo im Drei-Seen-Land. «Umso schöner war es, als sie stattfand», sagt heute heute 70-Jährige. «Die 159 Expo-Tage gehörten zu den schönsten meines Lebens.» In Erinnerung bleiben ihm vor allem die unzähligen Begegnungen mit verschiedensten zufriedenen Menschen. «Jeder Tag brachte neue Höhepunkte.»

Seine Stadt Biel habe damals von der Expo stark profitiert. So haben sich sowohl die politischen Strukturen der Zusammenarbeit, die städtischen Infrastrukturen wie auch das Image der Stadt im Zuge der Landesausstellung verbessert. Die Stadtentwicklung selber habe einen «unglaublichen Schub» erlebt, so Hans Stöckli. Das ist letztlich 2004 dann auch mit dem Wakker-Preis honoriert worden. «In der ganzen Schweiz bekamen wir nur Lob für die Stadtentwicklung.»

Expo als Chance genutzt

Mit Blick auf die gesamte Schweiz hatte die damalige Landesausstellung laut dem SP-Politiker vor allem eine Auswirkung: «Die Expo hat ein unverkrampftes Verhältnis zum Begriff ‹Heimat› hergestellt.» Dieser sei demokratisiert worden – was aus Sicht von Hans Stöckli «die grösste Errungenschaft der Expo.02» gewesen ist.

Für Stöckli selber hatte die Landesausstellung ebenfalls einen positiven Effekt, wie er einräumt. «Sie gab mir die Möglichkeit, mich national zu profilieren.» 2004 schaffte er den Einzug in den Nationalrat, 2011 folgte die Wahl in den Ständerat, den er 2019/2020 sogar präsidierte. Vor kurzem gab das Polit-Urgestein jedoch bekannt, dass er sich 2023 aus der Politik zurückziehen will. Nicht zuletzt hat sich Hans Stöckli, der 1964 als 12-jähriger Bub am Umzug zur Landesausstellung in Lausanne dabei sein konnte, mit der Mitgestaltung der Expo einen «Bubentraum» erfüllt, wie er sagt.

Expo 27: eine Tradition weiterführen

Doch an der Jubiläumsfeier zur Eröffnung der Expo.02 solle nicht bloss in alten Erinnerung geschwelgt werden, sondern – ganz im Geiste der Expo – auch der Blick in die Zukunft gerichtet. Denn die insgesamt siebte Landesausstellung seit 1883 soll voraussichtlich bereits in fünf Jahren stattfinden. Die Delegationen der fünf Projekte, die sich dafür bewerben, stellen am Fest ihre jeweiligen Ideen in einem Podiumsgespräch vor.

Hans Stöckli hat aus seiner Sicht im Bundesparlament erreicht, dass der Bundesrat noch in dieser Legislatur die Rahmenbedingungen für die nächste Landesausstellung definieren muss. «Selbstverständlich verfolge ich die Projekte mit grossem Interesse», sagt der «Mister Expo», doch inhaltlich will er sich nicht zu den Ideen äussern. Hans Stöckli zeigt sich aber glücklich, dass «unsere Expo.02 offensichtlich dazu beiträgt, die Tradition weiterzuführen.»

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