Messerattacke
Terroristischer Messerangriff in Lugano: Bundesanwaltschaft erhebt Anklage gegen 29-jährige Schweizerin

Wegen versuchten Mordes und Verstoss gegen das Al-Qaida/IS-Gesetz muss sich die Messerstecherin von Lugano vor dem Bundesstrafgericht verantworten.

Ann-Kathrin Amstutz
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Im Manor in Lugano attackierte eine Schweizerin am 24. November 2020 zwei Frauen mit einem Messer. Nun erhebt die Bundesanwaltschaft Anklage wegen versuchtem Mord und Verstoss gegen das Al-Qaïda/IS-Gesetz.

Im Manor in Lugano attackierte eine Schweizerin am 24. November 2020 zwei Frauen mit einem Messer. Nun erhebt die Bundesanwaltschaft Anklage wegen versuchtem Mord und Verstoss gegen das Al-Qaïda/IS-Gesetz.

Keystone

Es war ein mutmasslich terroristischer Anschlag, der die ganze Schweiz schockierte. Am 24. November 2020 attackierte eine 28-jährige Schweizerin in der Manor-Filiale in Lugano zwei Frauen mit einem Messer. Eine wurde schwer, die andere leicht verletzt. Noch am selben Tag gab die Bundespolizei Fedpol bekannt, man gehe von einem terroristischen Motiv aus.

Dieser Verdacht hat sich offenbar erhärtet: Die Frau wird wegen versuchten Mordes und Verstoss gegen das Al-Qaida/IS-Gesetz angeklagt. Das teilte die Bundesanwaltschaft am Mittwoch mit. Die Beschuldigte hat laut der Anklage vorsätzlich und mit besonderer Skrupellosigkeit gehandelt. Die Bundesanwaltschaft schreibt:

«Sie attackierte ihre zufällig ausgesuchten Opfer brutal mit dem Ziel, diese zu töten.»

Im Namen des «Islamischen Staates» (IS) habe sie damit Terror in der Bevölkerung verbreiten und die Ideologie des IS propagieren wollen. Sie handelte alleine, liess sich aber gemäss dem Religionssoziologen Johannes Saal von der typischen IS-Propaganda beeinflussen. Die Frau mit Wohnsitz im Kanton Tessin ist psychisch krank und war bereits 2017 in Bezug auf dschihadistischen Terrorismus ins Visier der Polizei geraten, als sie nach Syrien zu IS-Kämpfern reisen wollte.

Das Bundesstrafgericht wird über den Fall urteilen

Nun wird sich die mutmassliche Täterin vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona verantworten müssen. Die Strafanträge werden an der Hauptverhandlung bekannt gegeben, schreibt die Bundesanwaltschaft weiter. Seit ihrer Festnahme unmittelbar nach der Messerattacke sass die Beschuldigte in Untersuchungshaft, seit August 2021 ist sie im vorzeitigen Strafvollzug.

Die Messerattacke schlug im November 2020 hohe Wellen. Sie ereignete sich nur drei Wochen nach einem Terroranschlag eines IS-Sympathisanten in Wien, der vier Tote und über 20 Verletzte forderte.