Migranten der ersten Generation haben grosses Vertrauen in die Polizei - ihre Nachkommen nicht

Wenn es um Polizei und Rechtsstaat geht, gibt es bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund einen Generationengraben. Die zweite Generation hat im Gegensatz zu ihren Eltern weniger Vertrauen in die Polizei.

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Jugendliche mit Migrationshintergrund vertrauen der Polizei weniger als ihre Eltern. (Symbolbild)

Jugendliche mit Migrationshintergrund vertrauen der Polizei weniger als ihre Eltern. (Symbolbild)

Alex Spichale / BAD

(wap) Migranten der ersten Generation bringen Institutionen wie der Polizei, dem Rechtssystem oder den politischen Körperschaften mehr Vertrauen entgegen als Personen ohne Migrationshintergrund. Zu diesem Schluss kommt eine am Dienstag veröffentlichte Analyse des Bundesamts für Statistik (BFS). Auch bei Migranten der zweiten oder dritten Generation ist das Vertrauen in die Institutionen hoch, mit einer gewichtigen Ausnahme: Das Vertrauen in die Polizei ist bei dieser Bevölkerungsgruppe tiefer als bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund, und auch tiefer als bei den Migranten der ersten Generation – also der Elterngeneration.

Wie die Zahlen des BFS weiter zeigen: Das hohe Vertrauen in die Institutionen schlägt sich nicht unbedingt im politischen und gesellschaftlichen Engagement nieder. Während 67 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer ohne Migrationshintergrund angaben, an mindestens acht von zehn Abstimmungen teilzunehmen, sind es bei Schweizern mit Migrationshintergrund 62 Prozent in der ersten und 56 Prozent in der zweiten Generation. 54 Prozent der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund gab zudem an, sich aktiv für die Zivilgesellschaft zu engagieren. Bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund sind es 32 Prozent in der ersten und 35 Prozent in der zweiten Generation.

Das BFS untersuchte auch die wirtschaftlichen Lebensumstände der Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Dabei zeigte sich, dass diese im Durchschnitt schlechter gestellt ist als jene ohne Migrationshintergrund. Die Wahrscheinlichkeit, in einem Haushalt mit wirtschaftlichen Entbehrungen zu leben, ist bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund drei Mal so gross wie bei jener ohne Migrationshintergrund. Von Wohnungsproblemen ist die zweite Generation mit Migrationshintergrund doppelt so häufig betroffen wie die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund.