Missbrauch
Trotz Dividendenverbot: Coronagebeutelte Firmen schütten unerlaubt Millionen aus

Zwar ist Missbrauch bei Coronakrediten kein Massenphänomen. Dennoch lassen neue Zahlen der Finanzkontrolle aufhorchen. Mehr als 500 Unternehmen schütteten Dividenden aus und verstiessen damit gegen die Auflagen.

Reto Wattenhofer
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Dividendenausschüttung trotz Verbot: Die Eidgenössische Finanzkontrolle hat bislang 569 unerlaubte Zahlungen entdeckt. (Symbolbild)

Dividendenausschüttung trotz Verbot: Die Eidgenössische Finanzkontrolle hat bislang 569 unerlaubte Zahlungen entdeckt. (Symbolbild)

Keystone

Um es vorwegzunehmen: Die im Zuge der Pandemie ausbezahlten Covid-19-Kredite werden in der Regel nicht missbraucht. Das zeigt ein am Montag veröffentlichter Zwischenstand durch die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK). Ins Auge sticht, dass wenn, dann häufig gegen eine Auflage verstossen wird: Wer einen Kredit bezieht, darf keine Dividende ausschütten.

Daran halten sich offenbar viele nicht. Gemäss den Finanzaufsehern haben 530 Unternehmen der Steuerverwaltung Ausschüttungen von 209 Millionen Franken gemeldet. Die betroffenen Firmen hatten Kredite in der Höhe von 158 Millionen Franken zugesagt erhalten. Diese Zahlen widerspiegeln gemäss EFK den Stand von letztem September. Gut möglich also, dass noch weitere fehlbare Firmen hinzugekommen sind.

Wenn die Behörden mal Lunte gerochen haben, liegen sie meistens richtig. In vier Fünftel der 5000 abgeklärten Missbrauchsfällen mussten Korrekturen vorgenommen werden oder es kam zu einer Strafanzeige. Gemäss neuesten Zahlen gibt es bislang über 10'000 Meldungen zu möglichen Missbräuchen bei Covid-Krediten.

Was die Zahlen auch zeigen: Nicht immer können Corona gebeutelte Unternehmen ihre Kredite zurückzahlen. So beziffert die EFK die Verluste aus honorierten Bürgschaften auf 253 Millionen Franken. Im Verhältnis zu den bewilligten Krediten über 16,7 Milliarden Franken ist das 1,5 Prozent.