Modellrechnungen zeigen: Die Massnahmen haben die Epidemie massiv gebremst

Wissenschafter der Uni Bern modellieren seit Wochen den Verlauf der Ausbreitung des Coronavirus in der Schweiz. Die neuesten Daten weisen darauf hin, dass der Höhepunkt in diesen Tagen erreicht sein dürfte.

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Blieben die Schutzmassnahmen so wie jetzt, dürfte die Auslastung der Spitäler bald ihren Peak erreicht haben.

Blieben die Schutzmassnahmen so wie jetzt, dürfte die Auslastung der Spitäler bald ihren Peak erreicht haben.

Keystone

(wap) «Die Social Distancing-Massnahmen in der Schweiz scheinen effektiv zu sein», meldete der Berner Epidemiologe Christian Althaus am Donnerstag auf Twitter. Er und sein Team sind spezialisiert auf Computermodelle, die den Verlauf von Epidemien berechnen können. Seit dem Januar erforscht Althaus das Ausbreitungsverhalten des Coronavirus. Von Anfang an hat er vor der gegenwärtigen Situation gewarntdamals sah Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit noch «keine Gefahr für einen raschen Ausbruch.»

Nun geben die Zahlen der Berner Forschung erstmals Anlass zur Hoffnung. Die effektive Reproduktionszahl des Virus habe sich auf 0,59 reduziert. Das heisst, dass sich die Ansteckungswelle verlangsamt hat. Die Zahl gibt an, wie viele Personen eine infizierte Person weiter ansteckt. Liegt sie über eins, steigt die Zahl der Erkrankten explosionsartig an. Liegt sie unter eins, wird die Epidemie gebremst.

Liegen die Forscher richtig, erreicht die Schweiz in diesen Tagen den «Peak ICU»: Das ist in der Sprache der Forscher der Tag, an dem die Auslastung der Intensivstationen ihren Höhepunkt erreicht. Danach sinkt die Auslastung wieder. Auch die Zahl der täglichen Todesfälle dürfte gemäss den Berner Berechnungen bald sinken.

Christian Althaus beziffert die Wirksamkeit der vom Schutzmassnahmen auf 78 Prozent: Ohne das vom Bundesrat verordnete Social Distancing kämen auf einen Infizierten durchschnittlich 2,73 Neuansteckungen. Dies hätte das Gesundheitssystem der Schweiz innert kürzester Zeit kollabieren lassen.

«Nun stellt sich die Frage, wie stark man die Massnahmen ab 26. April lockern kann», kommentiert Althaus seine Resultate auf Twitter.