Nach 43 Jahren wird gefeiert: Das AKW Fessenheim ist vom Netz

In der Nacht auf Dienstag ist der zweite und damit letzte Reaktor des AKW Fessenheim im Elsass abgeschaltet worden. Für Atomgegner ein Grund zur Freude.

Silvana Schreier
Drucken
Teilen
Das älteste Atomkraftwerk Frankreichs ist Geschichte.

Das älteste Atomkraftwerk Frankreichs ist Geschichte.

Keystone

Jahrelang stand das AKW Fessenheim im Elsass unter Kritik. Immer wieder wurden Pannen gemeldet. In der Nacht auf Dienstag haben die Betreiber das Atomkraftwerk endgültig abgeschaltet. Der erste Reaktor wurde bereits im Februar vom Netz genommen.

Für den Trinationalen Atomschutzverband (TRAS) ein Freudentag. «Für die definitive Schliessung von Fessenheim hat unser Verband jahrelang gekämpft. Mit dem heutigen Tag ist das Risiko eines Atomunfalls in einem der ältesten, unsichersten und in einer Erdbebenzone liegenden AKW deutlich gesunken. Uns ist heute zum Feiern zu Mute», sagte Jürg Stöcklin, TRAS-Präsident und Grünen-Grossrat in Basel-Stadt, am Dienstag vor den Medien.

167 Gemeinden und Städte forderten Abschaltung

Der Verband wurde 2005 gegründet, um «die Kritik an den unzumutbaren Risiken des AKW Fessenheim aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich zu bündeln», so Stöcklin in seiner Rede. Die Kernschmelzen in Fukushima sorgten schliesslich dafür, dass die Resolutionen mit der Forderung nach einer sofortiger Schliessung von Fessenheim von 167 Gemeinden und Städten verabschiedet wurden.

Obwohl sich Stöcklin über die Abschaltung freut, spricht er eine Warnung aus: «Mit dem heutigen Tag beginnt der Rückbau in Fessenheim. Bevor nicht sämtliche Brennstäbe evakuiert sind, bevor die grüne Wiese nicht wiederhergestellt ist, können wir nicht ruhig sein.» TRAS werde wachsam bleiben und den Rückbau des AKW kritisch begleiten.

Frühestens in 20 Jahren nicht mehr nuklear

Auch wenn die Stilllegung des AKW nun die Gefährdung für die Bevölkerung massiv verringert, ist die Arbeit noch nicht getan. Denn nun steht ein umfangreicher Rückbau an: Bereits im Juli sollen die ersten Arbeiten beginnen. Die Vorbereitungsphase wird fünf Jahre in Anspruch nehmen. Erst nachdem die Brennelemente abtransportiert sind, darf der Abbau des AKW beginnen. Frühestens in 20 Jahren dürfte das Areal als nicht mehr nuklear eingestuft werden.

Um den Forderungen Ausdruck zu verleihen, veröffentlicht TRAS eine Resolution: Darin werden sichere Lagerstätten für die Brennelemente, Transparenz betreffend des Rückbaus, besserer Schutz vor Erdbeben sowie Vorkehrungen für den Fall einer Kernschmelze gefordert. Unterzeichnet ist das Schreiben von 98 Städten und Gemeinden aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich.