Oberster Kantonsarzt: Ziel des Contact-Tracings ist nicht die Erhebung von Daten

Rudolf Hauri, Präsident der Schweizer Kantonsärztinnen und Kantonsärzte, spricht sich dagegen aus, dass die Kantone im Rahmen des Contact-Tracings breite Datenerhebungen durchführen müssen. Zudem fordert er mehr Stringenz bei den Corona-Massnahmen.

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Wäre der Bund konsequent, bräuchte es auch in anderen Bereichen als im öV eine Maskenpflicht, findet Rudolf Hauri.

Wäre der Bund konsequent, bräuchte es auch in anderen Bereichen als im öV eine Maskenpflicht, findet Rudolf Hauri.

Werner Schelbert / Neue Zuger Zeitung

(agl) Wenn der Bund eine zusätzliche Datenerhebung wolle, dann müsse man die entsprechenden Ressourcen bereitstellen und spezialisiertes Personal einstellen, sagt der Zuger Kantonsarzt Hauri im Interview mit der «Republik». «Wir lassen aber nicht zu, dass die Daten­erhebung auf Kosten des Contact-Tracing geht». Hauri schlägt vor, diese in gezielten Stichproben zu erheben, anstatt sie breit zu erfassen. Dabei würde es reichen, eine Stichprobe eines Kantons mit dichten, urbanen Strukturen zu übernehmen.

Bei den Lockerungen habe der Bundesrat die Kantone ins kalte Wasser geworfen, sagte Hauri ausserdem. «Wir sind vom Tempo der Lockerungen überrascht worden – nicht von den Lockerungs­schritten an sich, aber von der Geschwindigkeit.» Aktuell sehe er, dass die Coronamassnahmen nicht überall stringent umgesetzt würden. Es gelte eine Maskenpflicht im öV, weil dort die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können. Jetzt müsste man, so Hauri, andere Bereiche mit ähnlichen Voraussetzungen gleich behandeln, was der Bund aber nicht tue.

«Auch bei der Quarantäne für Reise­rückkehrer ist nur schwer verständlich, wieso derzeit wieder Ausnahmen gewährt werden», so Hauri. Im Kanton Zug seien beispielsweise drei Viertel der Personen in Quarantäne aus einem Risikoland zurückgekehrt. Bereits am vergangenen Wochenende forderte er strengere Kontrollen an der Grenze sowie eine nationale Aufklärungskampagne.