Pandemie
Falschaussagen? Bundesrat Alain Berset im Clinch mit Wissenschaftern

Der Gesundheitsminister zieht in einem Interview Bilanz zur Pandemie. Nach eineinhalb Jahren sei ein Ende absehbar. Berset wiederholt seine Einschätzung, dass die Regierung anfangs zu einseitig auf die Wissenschaft gehört habe. Dafür erntet er Kritik.

Dario Pollice
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Verschiedene Wissenschafter kritisierten Alain Bersets Aussage, dass der Bundesrat zu Beginn der Pandemie zu einseitig auf die Wissenschaft gehört habe. (Symbolbild)

Verschiedene Wissenschafter kritisierten Alain Bersets Aussage, dass der Bundesrat zu Beginn der Pandemie zu einseitig auf die Wissenschaft gehört habe. (Symbolbild)

Keystone

Bis die gesamte Pandemie überwunden sei, werde es nach es noch einen Moment dauern. Trotzdem glaubt Gesundheitsminister Alain Berset: «Das Schlimmste liegt hinter uns», wie er in einem Interview gegenüber den Tamedia-Zeitungen am Samstag sagt.

Gemäss dem Bundesrat werde das Virus wohl aber nicht gänzlich verschwinden. «Führende Epidemiologen weltweit gehen davon aus, dass Covid-19, wie etwa die saisonale Grippe, endemisch wird und auch zukünftig in beschränktem Ausmass in der Bevölkerung zirkulieren wird.» Ab einem gewissen Punkt werde die Bevölkerung aber auch dank der Impfung eine gewisse Immunität aufweisen. «Dann wird das Virus ein Teil unseres Lebens, mit dem wir umgehen können», so Berset weiter.

Nach Ansicht des SP-Magistraten sei der Bundesrat während der Coronakrise jederzeit handlungsfähig geblieben. Dies obwohl das föderalistischen System mit seinen Machtbrechungen ausserordentlich komplex sei.

Berset und die Wissenschafter

Rückblickend kritisch beurteilt Alain Berset die Schulschliessungen während der ersten Pandemiewelle im Frühling 2020. Politisch sei die Entscheidung wohl nicht anders möglich gewesen. «Aber war es auch epidemiologisch richtig?», fragt der Gesundheitsminister, und erwidert darauf:

«Ich weiss es nicht.»

Weiter sagt der Gesundheitsminister, dass der Bundesrat vor allem zu Beginn der Pandemie «gewisse wissenschaftliche Meinungen» zu wenig hinterfragt habe. Als Beispiel dafür nennt er die Maskendiskussion. «Zu Beginn der Pandemie war es international die anerkannte wissenschaftliche Meinung, dass Masken nicht nötig seien ausserhalb von Gesundheitseinrichtungen, die Bevölkerung wohl die Maske nicht richtig handhaben könne», so Berset. Dies habe der Bundesrat nicht hinterfragt.

Eine ähnliche Aussage hat Berset zuvor bereits in einem TV-Interview gemacht. Verschiedene Wissenschafter kritisierten daraufhin den Gesundheitsminister. Dominique de Quervain, Neurowissenschafter der Universität Basel, schrieb auf Twitter, dass die Gesundheitsbehörde BAG - welche Bersets Innendepartement unterstellt ist - den Nutzen der Masken infrage stellte, und nicht etwa die Wissenschafter selber:

Auch Christian Althaus, früheres Mitglied der wissenschaftlichen Taskforce, übte auf Twitter Kritik an Alain Bersets Aussagen. So sei der Nutzen von Masken für die allgemeine Bevölkerung primär von der Gesundheitsbehörde BAG und dem ehemaligen Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten bestritten worden, schreibt Epidemiologe Althaus.

Wirtschaftswissenschafterin Dina Pomeranz von der Universität Zürich wirft Bundesrat Berset auf Twitter gar «nachweislich falsche Aussagen» vor:

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