Patientenschützer begrüssen Vorschlag des Bundesrats zur eingeschränkten Arztwahl

Der Plan des Bundesrats, unter anderem den direkten Zugang zu Spezialärzten einzuschränken, erntet viel Kritik von Parteien und Ärzten. Unterstützung kommt dafür von Seiten der Patienten.

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Der Bundesrat will den direkten Zugang zu Spezialärzten einschränken und damit die Kosten im Gesundheitswesen senken. (Symbolbild)

Der Bundesrat will den direkten Zugang zu Spezialärzten einschränken und damit die Kosten im Gesundheitswesen senken. (Symbolbild)

Christian Beutler / Keystone

(sat) Der am Mittwoch vorgestellte Plan des Bundesrats zur Senkung der Kosten im Gesundheitswesen stösst in ersten Reaktionen auf wenig Begeisterung. Namentlich die Einschränkung der freien Arztwahl provoziert viel Kritik bei Parteien und Ärzten. Ganz anders tönt es bei der Schweizerischen Patientenorganisation (SPO). «Sehr sinnvoll» nennt Geschäftsführerin Susanne Gedamke am Mittwoch im Interview mit Radio SRF den Vorschlag von neuen kantonalen Erstberatungsstellen (Beitrag online nicht verfügbar). Geht es nach Gesundheitsminister Alain Berset, nimmt eine Hausärztin oder ein Hausarzt, eine HMO-Praxis oder ein telemedizinisches Zentrum künftig eine erste Triagierung der Fälle vor. Dies solle helfen, bis zu einer Milliarde Franken pro Jahr einzusparen.

«Die freie Arztwahl wird ja nicht komplett eingestellt», sagt Susanne Gedamke, «denn nach der Triagierung ist die Wahl des Spezialisten ja wieder möglich». Hinzu kommt laut der Patientenschützerin, dass heute bereits etwa zwei Drittel der Versicherten diese Einschränkung der Arztwahl freiwillig auf sich nehme für günstigere Krankenkassenprämien etwa indem sie sich für ein günstigeres Hausarztmodell entscheiden. Wie die SPO sich am Ende im Detail jedoch zur Vorlage stellen werde, könne sie erst nach dem genauen Studium der nun angelaufenen Vernehmlassungsvorlage sagen.

Klar ist allerdings bereits jetzt, dass die Patientenschützer nicht das ganze Massnahmenpaket des Bundesrats zur Senkung der Kosten im Gesundheitswesen mittragen werden. Gegen die Festlegung einer Obergrenze des Anstiegs der Gesundheitskosten werde sich die SPO wehren. «Wir gehen schwer davon aus, dass diese Zielvorgabe nicht den Schwächsten im Gesundheitssystem zu gute kommen wird», sagt Susanne Gedamke gegenüber SRF. Da müsse sich die Patientenorganisation «ganz klar dagegen aussprechen», vertrete sie doch in vielen Fällen gerade mehrheitlich die Interessen von chronisch- und schwerkranken Patienten.